" Außer Spesen nihts gewesen" (Von Floo WEISSMANN)

Ausgabe vom 17. Jänner, 2008

Innsbruck (OTS) - Nichts. Das ist die Bilanz der ersten
Nahost-Reise von US-Präsident Bush. Eine Woche lang schüttelte er Hände, lobte exotische Speisen, tanzte mit saudischen Prinzen, versprach Dollars und Waffen. Doch der Chef der Supermacht wird in der Region nicht mehr ernst genommen.

Der gestrige letzte Tag von Bushs Reise illustrierte den Kontrast zwischen den Stehsätzen, die der US-Präsident wie ein Mantra vorbetet, und der komplexen Realität im Nahen Osten. Während Bush in Kairo erneut Optimismus versprühte, dass Israelis und Palästinenser noch heuer ein Friedensabkommen erzielen, begann in Jerusalem gerade die israelische Regierung zu zerbröseln. - Und zwar gerade wegen der Friedensverhandlungen. In der politischen Elite des Landes gibt es derzeit keine Mehrheit für die historischen Zugeständnisse, die notwendig wären.

Am Persischen Golf bettelte Bush darum, zum Wohle der amerikanischen Wirtschaft den Ölhahn aufzudrehen, aber verbindliche Zusage gab es keine. Stattdessen verkündete CNN, dass nun weitere arabische Investoren sich Anteile am schlingernden US-Bankenriesen Citigroup gesichert haben.

Von Riad bis Kairo trommelte Bush gegen den Iran. Doch die Koalition zur Eindämmung des Mullah-Regimes zerbricht. Die Anrainer haben die Konsequenzen gezogen und versuchen, sich mit der aufstrebenden Regionalmacht zu arrangieren.

Fast schon grotesk wirkte Bushs einstige Vision von der Demokratisierung des Nahen Ostens angesichts der feudalen Pracht, mit der er von den befreundeten Diktatoren empfangen wurde.

Ein Jahr vor seinem Abtritt kann Bush nicht mehr aufholen, was er zwei Amtszeiten lang versäumt hat. Die Welt muss auf seinen Nachfolger warten.

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