Mit kleinen Krediten neue Hoffnung geben

Reader’s Digest hat die gebürtige Polin Maria Nowak in Frankreich als "Europäerin des Jahres 2008" ausgezeichnet

Stuttgart (OTS) - Die gebürtige Polin Maria Nowak ist von Reader’s Digest als "Europäerin des Jahres 2008" ausgezeichnet worden. Das Magazin würdigt damit den Einsatz der in Frankreich lebenden 72-Jährigen, die sich weltweit um kleine Kredite für Menschen bemüht, die ein Geschäft aufbauen wollen, aber von den Banken kein Geld erhalten. Die frühere französische Gesundheitsministerin Simone Veil hat die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung am 16. Januar in Paris überreicht.

Nowak ist Gründerin und Leiterin der französischen Nichtregierungsorganisation ADIE (Vereinigung für das Recht auf wirtschaftliche Initiative), die seit ihrer Gründung 1989 gut 45.000 angehenden Kleinunternehmern Hilfe zur Selbsthilfe gegeben hat. "Mikrokredite lösen das Armutsproblem nicht, sind aber ein echter und konkreter Beitrag", sagt Nowak, die rückblickend feststellt: "Die Zeit war reif für diese Idee."

Seit 1996 wählen die Chefredakteure der 21 europäischen Ausgaben von Reader’s Digest Persönlichkeiten, die am besten die Traditionen und Werte Europas verkörpern, zum "Europäer des Jahres". Maria Nowak ist die 13. Trägerin dieser Auszeichnung. Mit dem Preisgeld will Maria Nowak Jugendliche in französischen Problemvierteln unterstützen. "Das hat für mich Vorrang, da die Arbeitslosenquoten in diesen Wohnvierteln mit teilweise über 30% extrem hoch sind."

Die 21 europäischen Ausgaben des Magazins Reader’s Digest haben die "Europäerin des Jahres 2008" zeitgleich in der Januar-Ausgabe vorgestellt. Im vergangenen Jahr war die Auszeichnung, die für Solidarität, Zivilcourage und den Einsatz für Mitmenschen verliehen wird, an den Schweizer Mediziner Ruedi Lüthy gegangen, der in Simbabwe aidskranke Menschen kostenlos behandelt. Nun wird Maria Nowak für ihre Pionierarbeit bei der Unterstützung von vermeintlich kreditunwürdigen Menschen geehrt.

Die Frau, die eigentlich Ärztin werden wollte, dies als Kriegsflüchtling in Frankreich aber nicht durfte, hatte während ihres Studiums der Wirtschaftswissenschaften ein Jahr in Afrika verbracht. Später kehrte sie dorthin zurück und engagierte sich fast 30 Jahre für Entwicklungshilfeprojekte auf dem schwarzen Kontinent. Dabei stellte sie schon früh fest, dass die staatliche Entwicklungshilfe meist nur in Großprojekte fließt, aber oftmals nicht bei den armen Menschen ankommt.

So begann sie in Burkina Faso und Guinea mit ersten Pilotprojekten, bei denen sie Kleinstkredite vermittelte. Später, als Nowak bei der Weltbank arbeitete, unterstützte sie in Albanien mit Hilfe von Genossenschaftsbanken die Bauern, Vieh und Geräte anschaffen zu können. In Bosnien startete sie die Kreditvergabe für Überlebende des Massakers von Srebrenica, viele weitere Projekte folgten. 1989 gründete sie die Organisation ADIE, sammelte Gelder für Kredite, warb um Spenden, erhielt Mittel der EU. Inzwischen hat die Vereinigung allein in Frankreich rund 100 Außenstellen, vor allem in Städten und Stadtvierteln mit hoher Arbeitslosigkeit und Armut.

Nowak wird dabei von rund 1000 ehrenamtlichen Helfern unterstützt. Finanzielle Hilfe kommt inzwischen von europäischen Institutionen, Ministerien, Handelskammern und Großbanken. Ans Aufhören denkt Maria Nowak noch lange nicht. Nebenbei leitet sie das Europäische Netzwerk für Mikrokredite. Nach dessen Schätzungen werden 91,5 Prozent der 2,5 Millionen neuen Firmen, die jährlich in der Europäischen Union entstehen, von Klein- und Kleinstunternehmern gegründet. Für Nowak ist dies Motivation genug, weiterzumachen. Sie arbeite 70 Stunden in der Woche, sagte sie Reader’s Digest. Wenn sie eines Tages ihr Amt abgeben werde, sei das aber nicht gleichbedeutend mit dem Nichtstun:
"An Ruhestand denke ich nicht. Ich trete als Vorsitzende ab und mache als Ehrenamtliche weiter."

Die Preisträger früherer Jahre

Die folgenden Persönlichkeiten waren die Vorgänger von Maria Nowak als "Europäer des Jahres".

2007: Der Schweizer Arzt Professor Ruedi Lüthy hat sich durch seinen unermüdlichen Einsatz für Aids-Kranke verdient gemacht und führt u. a. eine Aids-Klinik in Simbabwe, die er selbst gegründet hat. 2006: Die Niederländerin Ayaan Hirsi Ali setzt sich seit Jahren gegen religiöse Fanatiker und für die Rechte muslimischer Frauen ein. 2005: Der russische Arzt Leonid Roshal, der bei über zwei Dutzend Katastrophen auf vier Kontinenten schwer verletzten Kindern geholfen hat. Beim Geiseldrama von Beslan wurde er als Mittelsmann eingeschaltet. 2004: Peter Eigen aus Deutschland, Gründer und Vorsitzender der weltweit tätigen Organisation "Transparency International" mit Sitz in Berlin, die sich dem Kampf gegen Korruption widmet. 2003: Simon Pánek, Gründer der tschechischen Hilfsorganisation "People in Need". 2002: Eva Joly, ehemals Untersuchungsrichterin in Frankreich (u. a. Fall Tapie, Korruptionsskandal um Elf-Aquitaine). 2001: Der gebürtige Finne Linus Benedict Torvalds, Erfinder des Linux-Betriebssystems. 2000: Der Niederländer Paul van Buitenen, der schwerwiegendes Missmanagement innerhalb der Europäischen Kommission aufdeckte. 1999: Die Dänin Dr. Inge Genefke, Vorkämpferin auf dem Gebiet der Behandlung und Rehabilitation von Folteropfern. 1998: Der britische Solo-Skipper Pete Goss, der während eines Wettkampfs seinen französischen Freund Raphael Dinelli aus Seenot rettete. 1997: Frederic Hauge, norwegischer Begründer der Umweltschutz- Gruppe "Bellona". 1996: Pater Imre Kozma, Vorsitzender des ungarischen Malteser Caritas-Dienstes.

Pressemitteilung und Foto von der Übergabe der Auszeichnung zum
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