PISA 2006 und PIRLS 2006: Höhere Bildung wird in Österreich nach wie vor "vererbt"

Wien (OTS) - Am Montag, 14. Jänner 2008, wurden im Wissensturm
Linz die Ergebnisse der Studien PISA 2006 und PIRLS 2006 von DDr. Günter Haider und seinem Team präsentiert. Die anschließende Podiumsdiskussion brachte vor allem die Erkenntnis, dass in Österreich höhere Bildung nach wie vor "vererbt" wird und Lernschwächere zu wenig gefördert werden.

Nach der Präsentation der PISA-Ergebnisse durch DDr. Günter Haider, den Leiter des Projektzentrums für vergleichende Bildungsforschung, widmete sich eine prominent besetzte Runde in einer Podiumsdiskussion vor allem dem Thema Chancengerechtigkeit.

In vielen anderen Ländern gleichen Schulsysteme soziale Herkunftsdefizite besser aus als in Österreich. Höhere Bildung wird hier nach wie vor in hohem Maß "vererbt": Die Chance für Kinder aus bildungsferneren Schichten auf einen Zugang zu höherer Bildung ist ungleich kleiner als für Kinder aus bildungsnäheren Schichten. Ungleiche Bildungschancen einerseits, eine hohe und wachsende Zahl von leistungsschwachen Jugendlichen andererseits - das ist die Herausforderung, die spätestens seit PISA 2003 bekannt ist.

DDr. Günter Haider fordert eine mutige Bildungspolitik: Diese solle endlich umfassend in Präventionsmaßnahmen investieren, bereits in Kindergarten und Volksschule beginnend. Die Erfahrung zeige, dass spätere Reparaturmaßnahmen ineffektiv und teuer seien. Haider warnt vor einem sozialen Crash, wenn man sich weiterhin mit einzelnen Minireförmchen zufrieden gebe.

Gertrude Schatzdorfer, Chefin eines erfolgreichen Technikbetriebs in Zipf, fordert angesichts einer künftig kleiner werdenden Zahl jugendlicher Berufseinsteiger/-innen, dass in der Schulausbildung keine Begabungspotentiale mehr ungenutzt bleiben dürfen. Außerdem sei eine verbesserte Ausbildung der Pädagoginnen und Pädagogen notwendig.

Auch AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer sieht derzeit sehr viele Begabungspotentiale ungenutzt: "Nutzen wir doch die Vorteile der Mehrsprachigkeit von Kindern mit Migrationshintergrund!" Kalliauer plädiert für die rasche Umsetzung der von den oö. Sozialpartnern bereits 2005 vorgeschlagenen Maßnahmen, wie zum Beispiel einer verpflichtenden frühen Förderung für alle, einem attraktiven flächendeckenden Angebot an ganztägiger schulischer Betreuung sowie einer rechtzeitigen individuellen Förderung in der Schule.

Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer dagegen findet, dass in der Vergangenheit bildungspolitisch bereits vieles geleistet wurde. Natürlich müsse etwas für sozial Schwache getan werden, konkret wurde Enzenhofer allerdings nicht.

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