Vorsorgekassen durchdringen den Markt

Nach der Erfolgsstory der Mitarbeitervorsorgekassen in ihrem Tätigkeitsfeld der Abfertigung Neu werden sie ihre Vorsorgeleistung nun auch anderen Erwerbstätigen anbieten

Wien (PWK029) - Das Jahr 2007 war das bisher bedeutendste Jahr in der kurzen Geschichte der österreichischen Mitarbeitervorsorgekassen (MVK). Bis Jahresende waren 2,4 Mio. Arbeitnehmer in Österreich vom neuen betrieblichen Abfertigungssystem erfasst. Die neuen österreichischen Mitarbeitervorsorgekassen verwalteten per Jahresende ein Volumen von 1,62 Milliarden Euro.

Mitarbeitervorsorgekassen zu Vorsorgekassen ausgebaut

Das bedeutet, dass innerhalb von 5 Jahren jeder zweite Erwerbstätige von der Abfertigung Neu erfasst ist. Auf Grund dieses exorbitanten Erfolges der jungen Finanzdienstleistungsbranche hat sich die österreichische Bundesregierung entschlossen, diese Vorsorge auf noch breitere Beine zu stellen und auch Arbeitgeber und Selbstständige in das System einzubeziehen.

Aus der Mitarbeitervorsorge wurde eine Vorsorge für alle im österreichischen Erwerbsleben stehenden. "Unser Dank gilt vor allem den Experten des BM für Wirtschaft und Arbeit, der Sozialversicherungsträger aber auch den Experten in den eigenen Reihen, die in einem Verhandlungsmarathon nach dem Sommer die legistischen und organisatorischen Voraussetzungen für die Einbeziehung der neuen Kundengruppen ermöglichten", so Andreas Csurda, Vorsitzender der Plattform der Mitarbeitervorsorgekassen.

So wie das Jahr 2007 am 31.12. Geschichte geworden ist, sind auch die Mitarbeitervorsorgekassen Geschichte geworden, um mit den Schlägen der Bummerin als Vorsorgekassen neu auf zu erstehen.

Was war 2007 an den Finanzmärkten möglich?

Das Jahr 2007 war für die Veranlagungsexperten der Mitarbeitervorsorgekassen ein zweifelsohne hartes Jahr mit einer durchschnittlichen Wertentwicklung innerhalb der Branche von 1,94 %. Die Gründe dafür: ein schwieriges Kapitalmarktumfeld und Rahmenbedingungen für die Veranlagung, die performance-limitierend wirken.

Der österreichische Aktienmarkt (ATX) verzeichnete bis 31.12.07 mit unterjährig starken Schwankungen ein Kursplus von 1,1 %. Deutlich besser schnitten hier zB andere europäische Aktienindices ab, so erzielte der Eurstoxx50 (50 groß-kapitalisierte Unternehmen der Eurozone) ein Kursplus von 6,6 %.

Ein ungewöhnlich turbulentes Jahr hat auch der Anleihenmarkt hinter sich: die Gesamtperformance (Kupon-Ertrag plus Kursveränderung) österreichischer bzw. deutscher Staatsanleihen erreichte eine Gesamtjahresperformance von 1,6 % (zehnjährige Restlaufzeit). EUR-Unternehmensanleihen guter Bonität (Investment Grade) erwirtschafteten seit Jahresbeginn im Durchschnitt lediglich eine Gesamtperformance von 0,9 %. Noch schlechter erging es spekulativen Unternehmensanleihen (High Yield), deren Gesamtperformance von -2,1 % sogar negativ war.

Auf dem Interbanken-Geldmarkt war es Anfang des Jahres möglich, sich auf zwölf Monate einen Zins von 4,03 % zu sichern, während für Sparbucheinlagen (gebunden bis zu einem Jahr) zu Jahresbeginn 2007 einen Zinssatz von rund 3,3 % fixierbar war.
Alles in allem war 2007 daher für Kapitalmarktteilnehmer ein mageres Jahr. Siehe Chart "2007 war wenig zu verdienen"
Performance verschiedener Anlageklassen im Vergleich, Startwert 100 zu Beginn 2007
http://www.mitarbeitervorsorgekassen.at/2007_war_wenig_zu_verdienen.j
pg
Performancequellen: OeNB, Bloomberg, Thomson Financial, Raiffeisen RESEARCH

Wie gut ist die Leistung der BVK?

Häufig werden Betriebliche Vorsorgekassen (BVK) mit anderen Veranlagungsformen verglichen. Dieser Vergleich bedarf einer differenzierten Betrachtung: Denn kein anderes Veranlagungsprodukt muss vom ersten Moment an eine Bruttokapitalgarantie leisten. Andererseits macht die steuerliche Begünstigung aus der betrieblichen Vorsorge eine attraktive Vorsorgeform. Mögliche relative Performance-Nachteile (Performance 2007 im Branchendurchschnitt (1,5-2) %) im Vergleich zu manch anderen Anlageformen werden dadurch - absolut betrachtet - kompensiert. Siehe Beispiel: 40-jährige Angestellte spart 1,53 % ihres verfügbaren Entgeltes über drei Sparformen
http://www.mitarbeitervorsorgekassen.at/Beispiel_Abfertigung.pdf

Rechtliches Korsett aus Performance bremsenden Vorschriften für BVK zu eng

Die Möglichkeiten in der Veranlagung von BVK sind seitens des Gesetzgebers stark begrenzt. Dementsprechend begrenzt ist auch das Ertragspotenzial der BVK.

"Das beginnt etwa bei einer vorgeschriebenen Kapitalgarantie, die höher ist, als die tatsächlich zur Veranlagung gelangenden Beiträge", erklärt Csurda in Hinblick auf die Bruttokapitalgarantie. Gleichzeitig gibt es für die Vorsorgekassen eine gesetzliche Mindestliegedauer von nur 36 Beitragsmonaten und keine ausreichend genau vorhersagbare faktische Liegedauer (tatsächliche Veranlagungsdauer bis zur Auszahlung): es kommt daher häufig zu Auszahlungsfällen, in denen die gesetzliche Mindestbeitragsdauer von 36 Monaten aufgrund der gesetzlichen Verfügungsmöglichkeiten nicht greift. Als Folge sind rd. 16,5 % aller Auszahlungsfälle Kapitalgarantiefälle. Das erschwert nicht nur die längerfristige Veranlagung, sondern bedeutet für BVK, dass sie in schlechten Zeiten aus eigener Tasche zuschießen müssen. Das Entnahmeverhalten der Verfügungsberechtigten kommt gemäß Csurda erschwerend hinzu: "Etwa ein Drittel lässt sich das Kapital auszahlen, wodurch sich das Volumen für langfristige Investments schmälert."

Darüber hinaus setzt das Gesetz enge Grenzen für die zulässigen Veranlagungsklassen, die ebenfalls eine sehr konservative, auf klassische Kapitalmarktprodukte ausgerichtete Veranlagungsstrategie bedingen. Somit ist die Wertentwicklung einer BVK vom allgemeinen Marktumfeld abhängig: Ist das Marktumfeld schwierig, ist in der Folge die Performance zwangsläufig bescheiden.

Ein weiterer Hemmschuh für die Wertentwicklung der BVK-Portfolien. Um der gesetzlichen Auszahlungsverpflichtung nachkommen zu können, müssen BVK entweder Liquidität bereithalten - das bedeutet, sie können das Vermögen nicht voll investieren bzw. lediglich entsprechend schnell liquidierbare Veranlagungsklassen halten, die wiederum keine hohe Rendite erzielen. "Dieses vom Gesetzgeber geschneiderte Korsett aus limitierenden Regeln ist zu eng", betont Csurda. "All diese Vorschriften wirken als Performance-Bremse und schnüren dadurch den betrieblichen Vorsorgekassen die Luft ab."

BVK spielen eine tragende Rolle in der Altersvorsorge und sind ein wichtiger Bestandteil der zweiten Säule, der betrieblichen Vorsorge. "Vor diesem Hintergrund, ist es notwendig, die Diskussion zur Weiterentwicklung des BVK-Systems weiterzuführen", unterstreicht Csurda. Als Ansatzpunkte ortet er etwa das Zusammenspiel von Kapitalgarantie und Mindestliegedauer bzw. Entnahmemöglichkeit, die Erhöhung der Mindestliegedauer auf zumindest 60 Beitragsmonate, die generellen Rahmenbedingungen für die Veranlagung sowie weitere Anreize, das angesparte Kapital zur Vorsorge im Wege der Verrentung zu nutzen. (Ne)

Bitte beachten Sie folgende Grafiken zum Download:

Berechtigte:
http://www.mitarbeitervorsorgekassen.at/statistiken/Berechtigte2003-2
007.pdf
Vermögen:
http://www.mitarbeitervorsorgekassen.at/statistiken/Vermoegen2003-200
7.pdf
Wertentwicklung:
http://www.mitarbeitervorsorgekassen.at/statistiken/Performance2004-2
007.pdf
Auszahlungen:
http://www.mitarbeitervorsorgekassen.at/statistiken/Auszahlungen2004-2007.pdf

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftskammer Österreich
Plattform der Mitarbeitervorsorgekassen
Dr. Fritz Janda
Tel.: (++43) 0590 900-4108
plattform.mitarbeitervorsorgekassen@wko.at
www.mitarbeitervorsorgekassen.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK0002