Ärztekammer erklärt 2008 zum "Jahr der Gesundheitsvorsorge"

"Präventionskampagne soll auch gesellschaftliche Tabus brechen"

Wien (OTS) - Im Rahmen einer Pressekonferenz hat heute, Mittwoch, die Wiener Ärztekammer 2008 zum "Jahr der Gesundheitsvorsorge" erklärt. "Das ganze Jahr hindurch werden Vorsorge und gesunder Lebensstil einen Schwerpunkt im Engagement der Ärztekammer darstellen", betonte dazu Ärztekammerpräsident Walter Dorner. ****

Bei der Aktion gehe es auch darum, mit verstärkter Aufklärungsarbeit gesellschaftliche Tabus aufzubrechen, so Dorner. In diesem Sinne sei man übereingekommen, 2008 die Themen Sucht, HIV, Bewegung sowie Demenz/Parkinson quartalsmäßig in den Vordergrund zu stellen. Die Präventionskampagne solle zudem dazu beitragen, das Bewusstsein in der Wiener Bevölkerung für die eigene Gesundheit zu stärken, betonte der Ärztekammerpräsident.

Transportiert werden sollen die Botschaften über die Arztordinationen. Plakate zur Vorsorgeuntersuchung sowie Broschüren liegen ab sofort in allen Wiener Praxen auf. Zudem informieren eigens konzipierte Patientenbroschüren zu den Schwerpunktthemen Sucht, HIV, Bewegung sowie Demenz/Parkinson.

Den Anfang machen Sucht-Broschüren, die ab Ende Jänner 2008 an alle Wiener Allgemeinmediziner (mit und ohne Kassenvertrag) verschickt werden. Im Laufe des Jahres folgen dann die Informationen zu den weiteren drei Schwerpunktthemen.

Auch ist geplant, im Rahmen der ORF-Gesundheitstalks im RadioKulturhaus die Bedeutung einer rechtzeitigen Gesundheitsvorsorge allgemein sowie gezielte Informationen zu den Schwerpunktthemen zu vermitteln. "Hier wollen wir auch ganz bewusst in die Diskussion mit Experten und betroffenen Patienten einsteigen", betont Dorner.

Boom bei Glücksspielsucht und Co.

Bei der Thematisierung von "Sucht" im ersten Quartal des Jahres wird die Ärztekammer von Michael Musalek, dem ärztlichen Leiter des Anton-Proksch-Instituts in Wien, unterstützt. Er wies in seinem Statement vor allem auf die starken Zuwachsraten bei den stoffungebundenen Suchtformen wie Glücksspiel-, Internet- oder Kaufsucht hin.

"Die stoffungebundenen Suchtformen haben in der letzten Zeit einen wahren Boom erlebt", erklärte Musalek. Früher habe man diese Formen nicht so wahrgenommen, nun müsse man sich aber vermehrt damit auseinandersetzen.

Zudem müsse ein besonderes Augenmerk auf die Gleichstellung von Suchtkranken im Versicherungssystem gelegt werden, forderte Musalek. "Sucht ist eine hochstigmatisierende Erkrankung, die so manchem Betroffenen immer noch als Krankheit abgesprochen wird", kritisierte der Suchtexperte. Vor allem bei den Privatversicherungen sei die Meinung, dass Sucht keine Krankheit sei, immer noch weit verbreitet -und dies, obwohl die Sucht wissenschaftlich seit zumindest einem halben Jahrhundert als Erkrankung nachgewiesen sei. "Es muss offenbar viel Zeit vergehen, bis das in das Bewusstsein der Menschen dringt", so Musalek.

Vorsorge ist besser als Heilen

Langfristiges Ziel der Präventionskampagne sei die konstante Steigerung der Anzahl der Vorsorgeuntersuchungen, sowohl im Erwachsenenbereich als auch bei den Kindern, denn: "Vorsorge ist besser als Heilen", betonte Rolf Jens, Obmann der Sektion Ärzte für Allgemeinmedizin der Ärztekammer für Wien.

Der Allgemeinmediziner wies zudem auf wichtige Aspekte der Gesundenuntersuchung hin: Im Unterschied zu einer Durchuntersuchung stünden bei der Vorsorgeuntersuchung klare Fahndungsziele im Vordergrund, wie etwa bei übergewichtigen Personen die Gewichtsabnahme. "Generell liegen die Schwerpunkte der Erwachsenenuntersuchungen nach aktuellem Stand auf hohem Blutdruck, Stoffwechselerkrankungen, Blutzucker und teils auch Krebsfrüherkennung", so Jens weiter.

"Die Entscheidung, wie wir unser Leben führen wollen, liegt prinzipiell bei jedem Einzelnen", ergänzt Dorner. Genau diese Entscheidung gelte es aber zu beeinflussen: "Je früher sich jemand für seine Gesundheit entscheidet und vorsorgt, desto besser stehen die Chancen auf ein gesundes, schmerzfreies Leben. Das Jahr der Gesundheitsvorsorge ist damit auch eine Aktion für gesündere Wienerinnen und Wiener", so der Ärztekammerpräsident abschließend. (kp)

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