"Jahrhundertflop auf Tirolerisch" (Von Peter NINDLER)

Ausgabe vom 16. Jänner, 2008

Innsbruck (OTS) - Bauland ist keineswegs knapp, aber für den sozialen Wohnbau kaum verfügbar. Dass im Tiroler Zentralraum zwischen Imst und Jenbach lediglich 14 Hektar als Vorbehaltsflächen für den objektgeförderten Wohnbau ausgewiesen sind, sagt wohl alles. Denn dort leben 330.000 Bewohner, die vorhandenen Grundstücksreserven werden in 16 Jahren aufgebraucht sein. Doch wer kann sich diese Grundstücke leisten, wenn derzeit nur 14 von 1354 Hektar für den sozialen Wohnbau zur Verfügung stehen? Der Tiroler Durchschnittsverdiener sicher nicht, außer er macht einen Lotto-Sechser.

Versagt haben deshalb in erster Linie die Gemeinden selbst, weil sie keine Vorbehaltsflächen ausgewiesen haben. Obwohl ihnen das Jahrhundertgesetz aus dem Jahr 1994 alle Möglichkeiten dazu gegeben hätte. Gleichzeitig ist die Baulandhortung in den vergangenen 14 Jahren weiter fortgeschritten. Die bewusste Verknappung hat die Grundstücks- und Immobilienpreise weiter in die Höhe getrieben.

Die Politik hat heuer einen großen Wurf für eine Bodenreform angekündigt. Hoffentlich wird sie nicht wieder als Jahrhundertgesetz gelobt, denn am bekannten Jahrhundertflop knabbert das Land noch heute. Was muss sich also ändern?

Die Gemeinden müssen Bodenspekulanten endlich einmal die Gewinne abgedrehen und Rückwidmungen durchführen. Hier darf das Land sie aber nicht im Regen stehen lassen. Angesichts der knappen Grundstücksressourcen für den sozialen Wohnbau sollten aber auch Kommunen wie Hall sorgsam mit den städtischen Flächen umgehen und nicht einzelnen Bürgern großzügig Rosen streuen.

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