Wr. Jugendanwalt Schmid: 94% der Jugendlichen sind nicht gewaltbereit

Irreführung durch Falschinterpretationen der Anzeigenstatistik 2007

Wien (OTS) - Das Gefährliche an der sogenannten Jugendkriminalität, so der Wr. Jugendanwalt Schmid, ist die unreflektierte Interpretation der Statistiken und die Schlussfolgerungen daraus.

Die Statistik des Innenministeriums gibt ausschließlich Auskunft über angezeigte Fälle, aber lasst keinen Rückschluss über tatsächlich begangene Delikte zu, geschweige dem über rechtskräftige Verurteilungen.
Daher ist die Verwendung des Begriffes Kriminalität irreführend. Zwischen Anzeigen und Verurteilungen durch unabhängige Gerichte ist genau zu unterscheiden. Erst die Verurteilungsstatistik des Justizministeriums von 2007 gibt letztlich Auskunft über das Ausmaß an Kriminalität, diese liegt aber noch nicht vor.

Das in Wien sogar ein minimaler Rückgang der Anzeigen bemerkbar ist, wird kaum erwähnt, darf aber auch nicht zum Schluss führen, dass Wien sich von allgemeinen Tendenzen abkoppeln kann.

Besonders entbehrlich erscheinen aber jene Meldungen von einzelnen Personen, die Straferziehungslager, Abschiebungen und härtere Strafen fordern. In keinem einzigen demokratischen Land der Welt haben derartige Maßnahmen zu einer Reduzierung von Jugendkriminalität geführt.

Vorsicht ist geboten, den Boden der Seriosität der Diskussion nicht zu verlassen. Denn eine Gefahr existiert permanent:
Jugendliche, die in regelmäßigen Abständen hören, dass sie gewaltbereiter und gewalttätiger werden (aufgrund von falsch interpretierten Statistiken) laufen Gefahr, dies in ihr Verhalten zu integrieren und so Gewalttaten zu legitimieren.

All jene, die in diesen Diskussionen über Statistiken immer wieder den Teufel an die Wand malen, indem sie die steigende Gewalttätigkeit und Kriminalität von Jugendlichen postulieren, müssen sich bewusst sein, dass sie durch ihr Tun einen Beitrag zur Verunsicherung der Jugendlichen leisten - und somit mögliche Unterstützer einer zunehmenden Gewaltbereitschaft werden können.

Tatsache ist, das beweisen genügend europäische Studien zur Jugendgewalt, dass in etwa 6% der europäischen Jugendlichen gewaltbereit sind. Diese 6% haben in den letzten Jahren auch ihre Gewaltbereitschaft verstärkt umgesetzt. Völlig unrichtig ist aber die Vermutung, dass mehr Jugendliche krimineller werden, im Gegenteil, die Verurteilung von Jugendlichen geht zurück.

"Schlimm genug, dass es 6% sind, aber wir sollten nicht vergessen, dass die restlichen 94% der Jugendlichen nicht gewaltbereit sind, trotz düsterer Prophezeiungen und ständigem Wiederholen falscher Tatsachen. Wir benötigen sachliche Diskussionen und wohlüberlegte (politische) Maßnahmen um Gewalt und Kriminalität in unserem Staat allgemein zu reduzieren, aber nicht planlose Zucht und Ordnung fordernde Besserwisser", schloss Jugendanwalt Schmid.

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Kinder- & Jugendanwaltschaft Wien
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