Zwerschitz zur Anzeigenstatistik: "Kriminalisierung der Jugend nervt"

Grüne fordern fundierte Forschung zur Jugendkriminalität

Wien (OTS) - "Bevor jetzt wieder das kollektive Lamentieren über die ach so kriminelle österreichische Jugend losgeht, wäre es sinnvoll, sich die nun in der Kriminalstatistik 2007 veröffentlichten Zahlen ein wenig genauer anzusehen", erklärte die Jugendsprecherin der Grünen, Barbara Zwerschitz. "Die Kriminalstatistik ist eben kein Abbild der Kriminalität in Österreich. Ihr liegen die Anzeigen, nicht die Verurteilungen zugrunde. Die Verurteilungen von Jugendlichen gehen seit Jahren kontinuierlich zurück." Wie ExpertInnen übereinstimmend vorbringen, ist zunehmende Gewalttätigkeit von Jugendlichen nur eine von vielen möglichen Erklärungen des Anstiegs von Anzeigen gegen Jugendliche. "Aber zum Beispiel werden Anzeigen bei der Polizei nunmehr automatisch elektronisch erfasst, und weiters dürfte sich die Toleranz von Erwachsenen Jugendlichen gegenüber verringert haben. Anzeigen werden offenbar mittlerweile auch als Problemlösungsmittel gesehen", so Zwerschitz. "Aber Tatsache ist: Es existieren in Österreich keine wissenschaftlich fundierten Studien zur Jugendkriminaliät." Während sich etwa in Deutschland und der Schweiz ganze Universitätsinstitute dem Fragenkomplex Jugendkriminalität, Jugendstrafrecht und -strafvollzug sowie Prävention widmeten, gebe es hierzulande gerade eine Handvoll unterfinanzierte ExpertInnen.

"Es ist symptomatisch, dass die rechten Parteien und sogar der Innenminister die Statistik unhinterfragt nach den vermeintlichen Bedürfnissen ihrer Klientel auslegen. Die einen ergehen sich in Abschiebefantasien, die anderen fordern - sachlich völlig unhaltbar -härtere Strafen für Jugendliche. Diese permanente Kriminalisierung der österreichischen Jugend nervt", so Zwerschitz. Innenminister Platter, Familienministerin Kdolsky und Justizministerin Berger seien unabhängig davon aber gefordert, unverzüglich zu handeln: "Die Regierung darf uns nicht länger mit Scheinlösungen betäuben. Wir brauchen endlich Forschung zur Jugendkriminalität, wir brauchen ein umfassendes Präventions-Maßnahmenpaket, und wir brauchen den Einsatz von SozialarbeiterInnen an Schulen", fordert Zwerschitz.

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