Wenn ein Seil über Leben oder Tod entscheidet: Sicheres Arbeiten am Dach hat Priorität

AUVA unterstützt Spezialkurse für Praktiker am Bau in Mistelbach

Wien (OTS) - Der Absturz vom Dach ist die häufigste Todesursache bei Sturz- und Fall-Unfällen. Er führt zu den schwersten Verletzungen und längsten Krankenständen - durchschnittlich mehr als 73 Tage pro Person. Laut AUVA Statistik forderten 211 Abstürze im Jahr 2006 drei Tote. Speziell für Praktiker am Bau aus Wien, Niederösterreich und Burgenland veranstalten Wirtschaftskammer, Innung der Dachdecker, Pflasterer, Spengler, Kupferschmiede und Holzbauer und die AUVA Landesstelle Wien vom 14. Jänner bis 1. Februar eintägige Aktiv-Lehrgänge . Erstmals finden diese im neuen Kompetenzzentrum "Sicherheitstechnik für Dacharbeiten" der Landesberufsschule Mistelbach statt. Durchgeführt werden sie von der HOEHENWERKSTATT GmbH. Die AUVA Landesstelle Wien übernimmt rund 33 Prozent der Kurskosten pro Teilnehmer, die 75 Euro betragen.

Ing. Wilhelm Braunsteiner, Sprecher der Baugruppe des Unfallverhütungsdienstes der AUVA Landesstelle Wien, erlebt bei der Bearbeitung von Arbeitsunfällen immer wieder, dass bei Dacharbeiten auf wichtige technische Absturzsicherungen verzichtet wird: "Dieser Aktiv-Lehrgang richtet sich an Praktiker mit Vorerfahrungen in Höhenarbeit. Nach rund eineinhalb Stunden Theorie in der Früh dreht sich bis 17 Uhr alles um die Praxis. Es werden Schutz-Techniken vermittelt, die überall, jederzeit und rasch einsetzbar sind. Wir stellen Gurtsysteme, Anschlagmöglichkeiten, Auf- und Abbau von Sicherheitssystemen, sichere Positionen zum Arbeiten, einfache Abseil- und Rettungstechniken sowie kollektive Schutzmaßnahmen wie Dachfanggerüste vor."

Die erfolgreiche Zusammenarbeit für sicheres Arbeiten am Dach zwischen den Landesinnungen der Dachdecker, Spengler und Holzbauer in Wien, Niederösterreich und Burgenland besteht seit 2005. Bislang absolvierten rund 305 Teilnehmer - etwa zwei Drittel kamen von niederösterreichischen Betrieben - das Spezialtraining. 2008 werden rund 120 Teilnehmer erwartet. Auf Grund der Unterstützung durch die Veranstalter reduzieren sich die Kosten für die Betriebe von 199 auf 75 Euro pro Teilnehmer.

Parallel dazu stehen die Präventionsexperten des Unfallverhütungsdienstes der AUVA Landesstelle Wien für laufende Beratung , sowie mit Broschüren, Merkblättern, Checklisten und Videos - zum Beispiel über die Vorteile von Auffangnetzen im Hallen- oder Brückenbau - zur Verfügung.

Laut Bauarbeiterschutzverordnung müssen bei einer Dachneigung von mehr als 45 Grad sowohl persönlicher als auch technischer Schutz verwendet werden. Für Dächer bis 45 Grad Neigung - 85 bis 90 Prozent aller Dächer liegen in dem Bereich - erlaubt das Gesetz für Arbeiten, die nicht länger als einen Tag dauern, den Verzicht auf technischen Schutz, wenn ein persönlicher Schutz verwendet wird. Dies gilt zum Beispiel für das Abschaufeln und für kleinere Reparaturen wie die Satellitenschüssel-Montage. Bei größeren Vorhaben, wie Umdeckungen, Neudeckungen, die länger als einen Tag in Anspruch nehmen, ist bei dieser Dachneigung der technischen Schutz vorrangig zu verwenden.

Wie sieht die persönliche Schutzausrüstung, das Auffangsystem, bei Dacharbeiten bis zu einem Tag aus? Laut EN Norm besteht das auf einander abgestimmte Auffangsystem im Wesentlichen aus dem Sicherheitsseil, dem Seilkürzer, dem Fallstopp und dem Sicherheitsgeschirr.

Für Fragen stehen die Mitglieder des Bauexpertenteams der AUVA Landesstelle Wien (Tel.: 01-33133-252) und Ing. Wilhelm Braunsteiner, (02742) 258950-300, E-Mail: wilhelm.braunsteiner@auva.at zur Verfügung.

Informationen bieten die Broschüre "Sicherheit auf dem Dach", das AUVA Merkblatt M 222 "Arbeiten auf Dächern" sowie die AUVA Checkliste "Dachelemente/Checklisten." Diese können per Fax bestellt oder via Internet unter www.auva.at/merkblaetter (
http://www.ots.at/redirect.php?auva1 ) herunter geladen werden.

Laut AUVA-Statistik liegt die unfallträchtigste Arbeitszeit nach den traditionellen Esspausen zwischen 8 und 9 Uhr, 10 und 11 Uhr sowie 14 und 15 Uhr. Mit rund 23 Prozent der Arbeitsunfälle liegt der Montag knapp über dem Durchschnittswert der anderen vier Arbeitstage.

Zu den häufigsten Verletzungen zählen Quetschungen und Prellungen, Schnittwunden, Rissquetschwunden und Knochenbrüche. Die gesamten Unfallfolgekosten dieser Berufsgruppe können pro Jahr auf rund 12 Millionen Euro geschätzt werden. Die AUVA übernimmt davon rund 4,9 Millionen Euro. Rund 300.000 Euro Folgekosten können direkt den Arbeitgebern zugeordnet werden. Die volkswirtschaftlichen Kosten (Produktionsausfall etc.) erreichen rund 7 Millionen Euro.

Die Unfallrate liegt bundesweit bei 117, im Bereich der Landesstelle Wien bei 109 Unfällen auf 1.000 Arbeitnehmer (Wien: 132 AU/1.000 AN, Niederösterreich: 101, Burgenland: 86). Zum Vergleich:
das durchschnittliche Unfallrisiko eines österreichischen Arbeitnehmers liegt bei 39 Unfällen pro 1.000 Arbeitnehmer.

Die AUVA-Landesstelle Wien finden Sie im Internet unter www.auva.at/wien

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Gabriela Würth, GWK
Te.: (02242) 38300, (0676) 33 24 879
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