"Kleine Zeitung" Kommentar: "Zuschlagen auf der Gosse" (von Hubert Patterer)

Ausgabe vom 13.01.2008

Graz (OTS) - Es ist allzu lange her, da wurden Journalisten in der Ausbildung angehalten, bei Berichten über Straftaten ausländischer Bürger die Herkunft nicht zu hervorzuheben, nicht in der Schlagzeile. Damit leiste man dem Ressentiment, der pauschalen feindseligen Gesinnung Vorschub. Diese Zurückhaltung leuchtete den Sprach- und Verantwortungsbewussten ein, doch lässt die Wirklichkeit, will sie nicht geschönt werden, diese Selbstverpflichtung nicht mehr zu.

Der Anteil jugendlicher Straftäter mit Migrationshintergrund ist heute überproportional hoch. Das ist, vor allem in den Städten, statistische Tatsache - nicht nur in Deutschland, auch hierzulande. Man kann mit dieser Wirklichkeit im Wahlkampf ein einträgliches politisches Geschäft machen, wie es der hessische Ministerpräsident Roland Koch in Deutschland vorzeigt, aber eines man man nicht mehr:
die Wirklichkeit aus Motiven ideologischer Feinfühligkeit verschweigen. Dann überließe man die Debatte den Radikalen.

In Deutschland hat sie sich an einem Vorfall hemmungsloser Brutalität entzündet. Zwei ausländische Jugendliche haben einen Pensionisten in der Münchner U-Bahn hinterrücks attackiert und mit Schlägen und Tritten beinah zu Tode gebracht. Scheißdeutscher, haben sie gerufen. Das nennt man andersherum Rassismus. Das Gewaltverbrechen wurde von der Überwachungskamera festgehalten. Im Stundentakt zeigte das Fernsehen die Bilder, jetzt sind sie auf den Wahlplakaten der CDU zu sehen.

Sie fordert frühere, härtere und längere Haft und weiß sich des Zuspruchs der Mehrheit sicher. Aber mit Parolen ist dem Problem nicht beizukommen. Die Experten wissen, dass drakonische Haft die Täter nicht abschreckt. Wer perspektivlos heranwächst, ohne Bildung und Bindung, lässt sich von angedrohter Härte nicht beirren. Wer nichts zu verlieren hat, fürchtet nichts. Härter und länger führt nicht zu Läuterung, sondern erhöht die Rückfallsrate, sagen die Kriminologen.

Sie fordern zu Recht mehr Personal für Betreuung und Bewährung. Es gibt in Deutschland gelungene Beispiele für Erziehungscamps, wo junge Täter nach Verbüßen ihrer Strafe wieder die Bewältigung des Alltags lernen und die Achtung des anderen. Noch wichtiger freilich ist die Prävention: die vorschulische Integration, der Spracherwerb, eine ordentliche Bildung, Ganztagsschulen, das Nicht-Dulden familiärer, religiös verbrämter Gewalt und schwerer Züchtigung. Da wird man nicht umhin kommen, auch Herkunft zu benennen. Nicht nur in heimischen, auch in Familien türkischer und arabischer Abstammung passieren Prägungen, die irgendwann schlagend werden. ****

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