"Kleine Zeitung" Kommentar: "Angst vor der Wirtschaftskrise ist das Letzte, was wir brauchen" (von Wolfgang Simonitsch)

Ausgabe vom 12.01.2008

Graz (OTS) - Wer fürchtet sich vorm schwarzen Mann? Das alte Kinderspiel kommt jetzt in neuer Variante: Wer zittert vor der Rezession? Bevor alle davonlaufen und das Geldbörsel verstecken, den Konsum weiter drosseln und damit eine wirtschaftlich negative Spirale nach unten in Gang setzen, sei es getrommelt und gepfiffen: Es gibt bei uns keinerlei Grund für eine Rezessionshysterie.

Selbst wenn die US-Börse miserabel ins neue Jahr gestartet ist und sogar in Wien die Aktienkurse ins Rutschen gekommen sind. Daran ist die US-Immobilienkrise schuld, die haufenweise faule Milliardenkredite ans Licht gebracht hat.

Dies hat den Finanzmarkt in Aufruhr versetzt. Dessen Hysterie dürfte noch eine Zeit lang anhalten, auch weil etliche Banken im Zusammenhang mit dieser US-Misere für ihre Vorjahresbilanzen noch Korrekturbedarf haben dürften, der teils noch unbekannt ist.

Doch davon sollte sich niemand ins Bockshorn jagen lassen. Seriöse Szenekenner behaupten im Dutzend, dass es keinerlei Anzeichen gäbe, dass Europas Realökonomie unter der US-Finanzkrise zu leiden hätte. In den USA ist dies anders. Dort grundelt die Gesamtwirtschaft. Ihre Höhenflüge enden mit harter Landung.

Doch selbst dann, wenn die US-Ökonomie in zwei Quartalen hintereinander stagnieren sollte - was gewöhnlich Rezessionsalarm auslöst -, wird die Endabrechnung für 2008 kein schrumpfendes Gesamtergebnis bringen: Weil die US-Politik im heurigen Wahljahr die Zügel garantiert nicht schleifen lässt, notfalls über höhere Staatsausgaben die Ökonomie ankurbeln wird - damit die Wähler bei der Stange bleiben.

Wer auch dem misstraut, darf seinen Konjunkturpessimismus mit einer modern werdenden These verscheuchen: Die USA verlieren ihre traditionelle Rolle als Lokomotive für die Weltkonjunktur. Für Europas Wirtschaft wiegen inzwischen die "BRIC-Staaten", also Brasilien, Russland, Indien und China, die Hälfte des früheren US-Gewichts auf.

Dort schnellt das Wachstum jährlich um fünf bis elf Prozent in die Höhe. Das reißt uns mit. Früher gab es ein, zwei Loks für die Weltkonjunktur, heute sind es bis zu zehn. Das haben Wirtschaftsforscher mitkalkuliert, als sie für 2008 ein Wirtschaftswachstum von 2,2 bis 2,4 Prozent vorhersagten. Also:
Schluss mit der Angst vor einer Stagnation oder Ärgerem. Sie gefährdet die Stimmung - und die mittelprächtige Lage: weil sich Wirtschaft im Kopf abspielt und sich auch noch so falsche Prophezeiungen leider notorisch immer wieder selbst erfüllen. ****

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