Matznetter besorgt: US-Hypothekenkrise ist noch nicht vorbei

Veranstaltung des Renner-Instituts zum Einfluss von Finanzinvestoren auf Wirtschaft und Gesellschaft

Wien (SK) - "Die US-Hypothekenkrise ist noch nicht vorbei. Diese veritable Kreditkrise kann sich noch ausweiten - und birgt sogar die Gefahr einer Rezension", warnte Finanzstaatssekretär Christoph Matznetter am Freitag bei einer Veranstaltung des Renner-Instituts mit dem Titel "Global Europe - Heuschrecken ante portas", die sich mit dem Einfluss von Finanzinvestoren auf Wirtschaft und Gesellschaft befasste. Die aktuelle Situation belege, dass ein kleines Segment auf viele Marktbereiche durchschlagen könne, führte der Staatssekretär aus. Er sieht darin den Beleg dafür, dass "gute Finanzmärkte sorgfältige Regelungen brauchen". "Hätten die Notenbanken nicht frühzeitig und ausreichend in die Tasche gegriffen, wäre diese Krise ohnehin stärker ausgefallen", ist sich Matznetter sicher. Er ist jedenfalls froh, dass "sich viele Klein- und Mittelbetriebe in ihren Eigentümerstrukturen nicht auf den Finanzmarkt verlassen" - was mit ein Grund sei, warum sich die SPÖ sehr für die KMUs einsetze. ****

John Monks, Generalsekretär des Europäischen Gewerkschaftsbundes und des paneuropäischen Rates, sieht "jetzt auch die traditionellen europäischen Volkswirtschaften vom Casino-Kapitalismus betroffen". "Private equity- und Hedge-Fonds sehen neuerdings auch große und solide Unternehmen als Spekulationsobjekte an, die viele Gewerkschaftsmitglieder beschäftigen", nannte er eine weitere Veränderung. Problematisch sei in diesem Zusammenhang insbesondere, dass "viele Menschen gar nicht wissen, was in diesem Markt vor sich gehrt". Das schließe sogar Regierungen und Aufsichtsbehörden ein.

Private equity konzentriere sich dabei, wie Monks ausführte, besonders auf Branchen mit niedriger Technologie. Er nannte Nahrungsmittelproduktion, Fischerei, Versorgung oder Transport als Beispiele. "Diese Firmen werden mit Fremdfinanzierung übernommen -später werden sogar profitable Geschäftsbereiche verkauft", skizzierte er die Praktiken dieser Spekulanten. Der Gewerkschafter lobte Dänemark dafür, dass es eine höhere Steuer auf kurzfristigere als auf langfristige Gewinne eingeführt habe: "Endlich ein Land, das etwas gegen diese Praktiken tut". Monks warnte abschließend wie Matznetter davor, dass "europäische Banken bei der Kreditvergabe dieselben Fehler machen wie amerikanische".

Heinrich Schaller von der Wiener Börse tat in weiterer Folge sein Interesse an einer "gewissen Mindestregelung an den Finanzplätzen kund". Er möchte allerdings auch "alternative Investoren nicht von Vornherein verdammen".

"Der Euro schützt uns vor Währungskrisen" - dessen ist sich Franz Nauschnigg von der österreichischen Nationalbank sicher, wobei die EZB weit besser auf die Hypothekenkrise reagiert habe als die amerikanische Notenbank. "Nur gut geregelte Finanzmärkte sichern Effizienz und Wachstum" lautet sein Credo.

GPA-Vorsitzender Wolfgang Katzian machte auf den "vielen Schaden" aufmerksam, den die Deregulierung der Finanzmärkte angerichtet habe. Er möchte außerdem die Rolle von IWF und Weltbank in diesem Zusammenhang genauer untersucht wissen. Wichtig sind Katzian am Finanzmarkt außerdem "Publizität, Transparenz und Information". Der demokratischen Gesellschaft sei nämlich bereits die Kontrolle über diese alternativen Investoren entglitten, zeigte er sich besorgt. Kritik übte Katzian auch an Rating-Agenturen, "die von denen bezahlt werden, die sie zu bewerten haben". Er brachte daher die Schaffung öffentlicher Agenturen ins Spiel.

Außerdem fordert der GPA-Vorsitzende, "die Belegschaft über gravierende Änderungen in der Eigentümerstruktur von Unternehmen zu informieren". Er verwehrt sich dagegen, dass "die Debatte über das Finanzkapital immer so abstrakt geführt wird, als ob es dabei nicht das Schicksal vieler Menschen gehe". Katzian setzt sich des Weiteren dafür ein, "Aktionärsstimmrechte an die Dauer des Engagements zu binden". Er macht sich ferner weiterhin für eine Tobin-Tax stark -"Wenn alle dafür sind, wieso geht dann nichts weiter?" - und wünscht sich die Wiedereinführung der Börsenumsatzsteuer.

Richard Schenz von der Wirtschaftskammer sieht in Private equity Venture-Kapital keinen "Jobkiller" und sieht eine Schwachstelle des österreichischen Finanzmarktes darin begründet, dass dieses Finanzsegment noch zu wenig vertreten ist. Seiner Meinung nach sind diese "Heuschrecken" jedenfalls in Österreich willkommen.

Ganz anders sieht das Werner Muhm, Direktor der AK Wien, der in der Kapitalmarktorientierung die "Jagdzeit auf die europäische Unternehmensstruktur" eröffnet sieht. Er wünscht sich vielmehr, dass "der Kapitalmarkt nur jenen Stellenwert in einer Volkswirtschaft erhält, der für sie verträglich ist". Auch er spricht sich für eine Börsenumsatzsteuer aus und verlangt die Abschaffung der Förderung von Stock-Options. "Ich wünsche mir eine europäische Antwort auf den Umgang mit den Kapitalmärkten", fand er treffende Schlussworte. (Schluss) re

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