"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Gemeinsamer Weg ohne Ziel" (Von MICHAEL SPRENGER)

Ausgabe vom 10. Jänner 2008

Innsbruck (OTS) - Von seinem Schreibtisch aus betrachtet hat er morgens ein weißes Bild im Visier. Im Laufe des Tages, vom Lichtstrahl getroffen, tritt dabei immer mehr das Zitat von Antonio Machado sichtbar hervor, welches als Lebensmotto für Kanzler Alfred Gusenbauer gilt: "Wanderer - es gibt keinen Weg. Der Weg entsteht, indem man ihn beschreitet." Für Gusenbauer mag dieses Motto Berechtigung haben, für die Bundesregierung kaum. Sie hat nach einem Jahr ihren Weg nicht gefunden. Die beiden Regierungsparteien standen einander bislang nur im Weg. Daran wird sich wenig ändern. Natürlich werden - wie im ersten Jahr der Koalition - auch im Jahre 2008 einzelne Vorhaben umgesetzt werden. Doch es werden nur solche sein, die nicht auf den ersten Blick jeweils als Erfolg von Rot oder Schwarz ausgelegt werden können. Erschwert wird dieses Kunststück zudem durch die kommenden Landtagswahlen.

Auch deshalb werden es im zweiten Jahr der Koalition die Pragmatiker sein, die sich innerhalb der Regierung immer mehr in den Vordergrund spielen werden, um zu versuchen, Vorteile für jeweils ihre Seite zu erreichen.

Es gilt also, jene Themenführerschaft zu erlangen, die als tartvorteil für den Wahlkampf umgewandelt werden kann. Auch wenn die Nationalratswahl spätestens 2010 stattfinden wird, wird der Wahlkampf hierfür schon 2009 einsetzen. Schließlich arbeitet diese große Koalition nicht für ihre Wiederwahl, sondern dafür, dass es zu keiner mehr kommt. Zumindest dieser Weg wird immer mehr erkennbar.

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