Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Tagebuch

Haiders sechs Sieges-Preise

Wien (OTS) - Die sportbegeisterten Amerikaner verstehen es besser als andere Nationen, ihre Wahlentscheidungen spannend zu inszenieren. Während hierzulande Wahlen oft nur von zweieinhalb Pseudo-Themen dominiert sind, rückt die breite personelle, räumliche und zeitliche Streuung der (Vor-)Wahlen in den USA ein viel breiteres Spektrum ins Rampenlicht - freilich werden auch dort nicht unbedingt immer die wirklich zentralen Fragen behandelt.

Problematisch ist aber jedenfalls der Schaden für die Nation, wenn so viel Zeit und Energie immer nur für die Wahlwerbung aufgewendet wird. All das fehlt ja für die eigentliche politische Arbeit.

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Der oberösterreichische SPÖ-Chef Erich Haider hat gewonnen: Der von ihm bekämpfte Börsengang des Landesenergieversorgers EAG wurde abgesagt. Doch der Preis für diesen Sieg ist ein sechsfacher.

Erstens fehlt Haider nun ein populistisches Thema für seinen Wahlkampf; ein solches könnte ihm jedoch noch einfallen, da er diesbezüglich ähnlich begabt ist wie sein in Kärnten als politischer Migrant werkender Landsmann und Namensvetter.

Zweitens raubt er seiner Partei bundesweit jede Chance, die durch den Rückzug von Grasser und Schüssel geschwächte ÖVP in Sachen Wirtschaftskompetenz zu überholen. Denn auch in der Bundes-SPÖ hat niemand gewagt, Erich Haider zu bremsen und die Glaubwürdigkeit des Wirtschaftsstandorts (Ober-)Österreich zu wahren.

Drittens werden auch die Bürger zwischen Enns und Braunau bald einen Preis für Haiders Sieg zahlen müssen: Denn das nun entstehende De-facto-Kartell der westösterreichischen Energiefirmen reduziert die Chancen auf einen intensiveren Strom-Wettbewerb und damit auf Preisreduktionen.

Viertens ist ohne Börse (wo jeder mitbieten kann) nie zu beweisen, ob das Land wirklich den höchstmöglichen Preis für die EAG-Anteile erzielt.

Fünftens ist natürlich auch die jetzige Konstruktion eine Teil-Privatisierung - jedoch ohne die wünschenswerte breite Eigentumsstreuung.

Sechstens schließlich können die Käufer ihrerseits ihre Aktien an wen immer sie wollen weiterverkaufen (oder selbst an die Börse gehen): Denn würde man ihnen das verbieten, würde das den erzielbaren Kaufpreis endgültig demolieren.

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