Wahljahr in Taiwan, dem weltgrößten Notebook-Hersteller

90% aller Notebooks werden in Taiwan produziert - Möglicher politischer Wechsel hat keine Auswirkungen auf österreichische Handelsbeziehungen

Wien (PWK013) - Am 12. Jänner 2008 finden in Taiwan Parlamentswahlen statt. Derzeit steht die von Präsident Chen Shui bian geführte Regierung der DPP Democratic Progressive Party einem von den Oppositionsparteien KMT (Kuomingtang) und PFP (People’s First Party) dominierten Parlament gegenüber. Von Analysten wird mit einem Sieg der Oppositionsparteien gerechnet. Als Gründe werden unter anderem eine etwas schleppende Wirtschaftsentwicklung, das Stagnieren der persönlichen Einkommen und nicht zuletzt diverse Korruptionsskandale im Umkreis des Präsidenten angeführt. Am 20. März 2008 folgen dann die Präsidentschaftswahlen. Auch dabei werden dem Oppositionskandidaten der KMT die besseren Chancen eingeräumt. Die wichtigsten Aufgaben der künftigen politischen Führung sind, die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit Taiwans zu erhöhen, eine Verbesserung der sozialen Absicherung bei Überalterung der Bevölkerung zu erzielen und die schwierigen politischen Beziehungen zur Volksrepublik China in positive Bahnen zu lenken.

"Über Taiwan ist in Europa viel zu wenig bekannt", sagt Wolfram Moritz, österreichischer Handelsdelegierter in Taiwan. So produziert Taiwan über 90% aller Notebooks der Welt - nur 2% der Produkte von Sony kommen zum Beispiel direkt aus Japan, der Rest aus Taiwan bzw. der Volksrepublik China. Moritz: "Alle großen Notebook-Marken der Welt kaufen ihre Notebooks mittlerweile quasi ‚von der Stange’ von taiwanesischen Produzenten, ohne Großartiges im Designverfahren oder bei der Technologie beizusteuern." Gerade mal eine "Designsitzung" pro Jahr haben manche Firmen mit ihren taiwanesischen Lieferanten, in denen sie in ungefähren Zügen darlegen, was sie im nächsten Jahr erwarten.

Die fünf größten Notebook-Marken, HP, Dell, Acer, Toshiba und Lenovo (eh. IBM), die zusammen 65,7% des Weltmarktes beherrschen, kaufen alle ausnahmslos in Taiwan ein. Keiner der Top-10 - außer ASUStek - baut seine Notebooks selbst und die 10% der Notebooks, die nicht in Taiwan gebaut werden sind zum Großteil Sonderanfertigungen für die Industrie oder wasserfeste sowie "all terrain"-Modelle und einige Spezialformate. Auch die Wartung der Geräte wird von den großen internationalen Firmen mittlerweile ihren taiwanesischen Herstellern überlassen. Moritz: "Über 60% aller Notebooks aus taiwanesischer Herstellung werden übrigens mittlerweile in der Volksrepublik China assembliert - was zusammen mit vergleichbaren Entwicklungen bei anderen IT-Geräten die rasch steigenden Exportzahlen der chinesischen IT-Industrie erklärt." So ist auch das taiwanesische Unternehmen HonHai/Foxconn die größte IT-Firma Chinas. Von den größten 250 IT-Firmen der Welt befinden sich 116 (2003 noch 153) in den USA, 42 (32) in den EU-15, 39 (37) in Japan und 12 (3) in Taiwan. Die Vervierfachung in Taiwan ist vor allem auf die Expansion nach China zurückzuführen

Die österreichischen Wirtschaftsbeziehungen mit Taiwan laufen sehr gut. Im Jahr 2006 machte das österreichische Exportplus nach Taiwan 18,3% auf ein Ausfuhrvolumen von 333 Mio. Euro aus. Im ersten Halbjahr 2007 verzeichneten die Exporte einen Rückgang um 13,8%. Verantwortlich dafür war das Auslaufen des Projektes der Firma Siemens Verkehrstechnik betreffend U-Bahn-Waggons für die Metro Kaoshiung. Moritz: "Wenn man diese Position aus der Statistik herausrechnet, ergibt sich aber ein völlig anderes Bild: Ohne Schienenfahrzeuge haben sich Österreichs Exporte nach Taiwan im ersten Halbjahr 2007 wieder um 18,6% erhöht." Die wichtigsten Warengruppen der österreichischen Exporte sind Maschinen und Apparate, Schienenfahrzeuge, elektrische Maschinen, Apparate und elektrotechnische Waren, Glas und Glaswaren sowie Holz. (BS)

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Dr. Wolfram Moritz
Außenhandelsstelle Taipei
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