"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Ein Schritt, aber kein Sprung" (Von MARCO HEINRICH)

Doping in Maßen bleibt unkontrollierbar. Kein Grund aufzugeben. Ausgabe vom 9. Jänner 2008

Innsbruck (OTS) - Hätte es den Skandal von Turin nicht gegeben,
die gestern vorgestellte "Anti-Doping-Strategie" des ÖSV hätte etwas Rührendes. Der Versuch eines kleinen Landes, in dem die Welt noch in Ordnung ist, die Welt drumherum zu verbessern, die aus den Fugen geraten ist. Doch es hat Turin gegeben. Seitdem können wir nicht mehr mit der Nase rümpfen, mit Abscheu verfolgen, was in China oder in den USA geschieht. Es ist schön, dass wir Teil der Lösung sein wollen. Aber wir sind auch Teil des Problems.

Ein Softwarepaket des ÖSV soll jetzt im Kampf gegen das Doping helfen. Das hat auf den ersten Blick etwas von einem Trainer, der seiner abstiegsbedrohten Mannschaft den Klassenerhalt verspricht, wenn die Spieler zum Frühstück Müsli statt Semmeln essen. Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, aber kein Befreiungsschlag. Denn natürlich sind Leistungstests keine neue Erfindung. Und dass diese per Computer analysiert werden, auch nicht. Spannend ist nur, wer Zugang zu den Daten erhält.

Dass Alpindirektor Hans Pum und die Cheftrainer Toni Giger und Herbert Mandl Zugriff erhalten, ist selbstverständlich - und wohl keine Veränderung zur bisherigen Praxis. Nur fallen die Ausreden dann schwerer, von privaten Machenschaften der Sportler nichts mitbekommen zu haben. Ein echter Fortschritt ist dagegen die Installierung eines unabhängigen Anti-Doping-Experten, der die Daten auf Unregelmäßigkeiten kontrolliert. Entwickelt sich ein Sportler auffällig, wird verstärkt getestet.

Viele Dopingmittel werden schnell abgebaut oder sind durch Tests nicht nachweisbar. Da hilft auch keine Software. Doping in Maßen bleibt daher unkontrollierbar. Aber auch der Kampf gegen Doping im Übermaß lohnt sich.

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