Bures zu 100. Geburtstag von Simone de Beauvoir: "In den Köpfen gibt es das Patriarchat noch"

Prammer: Traditionelle Rollenklischees längst nicht überwunden

Wien (SK) - Die große Feministin Simone de Beauvoir würde morgen 100 Jahre alt werden. Das ist Anlass für die SPÖ-Frauen heute Dienstag gemeinsam mit dem Renner-Institut eine Abendveranstaltung mit dem Titel "Das andere Geschlecht - immer noch anders?" abzuhalten. Im Vorfeld fand dazu am Vormittag eine Pressekonferenz mit Frauenministerin Doris Bures, SPÖ-Frauenvorsitzender Nationalratspräsidentin Barbara Prammer und der Redakteurin der Wochenzeitung "Die Zeit" Iris Radisch statt. Bures betonte, dass formal die rechtliche Gleichstellung zwar in den letzten 60 Jahren erreicht wurde. Aber es gelte, dafür zu sorgen, dass diese mit Leben gefüllt werde. Wesentlich sei ein selbstbestimmtes Leben für Frauen -da dürfe es zu keinen Rückschritten kommen. "In den Köpfen gibt es das Patriarchat noch", so Bures. ****

So habe sich etwa was die Einkommenssituation betrifft, "wenig getan". Das Durchstoßen der "Gläsernen Decke" sei "ein Vermächtnis an die heutige Frauenpolitik". Auch der Kampf für das Selbstbestimmungsrecht der Frauen und gegen Geschlechterstereotypien gehört zum Erbe Beauvoirs. "Frauenpolitik ist nicht etwas Selbstverständliches", so Bures. Es müsse darum gerungen werden und tagtäglich darauf geachtet, dass es keinen Schritt zurück gibt und das Erreichte umgesetzt wird.

Feminisierung der Wirtschaftsförderung ist Gebot der Stunde

Zum Erreichen der ökonomischen Unabhängigkeit der Frauen und der beruflichen Gleichstellung sei ein Bündel an Maßnahmen erforderlich, so Bures. Das frühere Hauptargument, die geringe Qualifizierung von Frauen, "zählt heute nicht mehr". Es gibt mehr Maturantinnen als Maturanten und mehr Hochschulabsolventinnen als -absolventen. Es gelte, von Seiten der Politik Anreize zu schaffen. So sollen nach den Vorstellungen der Frauenministerin Unternehmen, die etwa einen Betriebskindergarten führen, Transparenz bei der Einkommensverteilung aufweisen und bei den innerbetrieblichen Schulungen, oder Frauenförderpläne haben, bei der Wirtschaftsförderung finanziell bevorzugt werden. "War in den 80er und 90er Jahren die Ökologisierung der Wirtschaftsförderung das Gebot der Stunde, so ist jetzt die Feminisierung der Wirtschaftsförderung das Gebot der Stunde."
Und: Auch vom ökonomischen Standpunkt her, sei es für Unternehmen nach allen bisherigen Erfahrungen "unklug und dumm auf das Potential der Frauen zu verzischten".

Prammer: Beauvoir war bahnbrechende Feministin

Prammer erläuterte die Bedeutung von de Beauvoir als bahnbrechende Feministin, die die Frauenbewegung und die Frauenpolitik nachhaltig geprägt hat. Wesentlich sei hier Beauvoirs Erkenntnis, dass Geschlecht sozial konstruiert wird. Auch wenn sich seit Beauvoirs Zeiten vieles geändert hat, sind traditionelle Rollenklischees längst nicht überwunden. Das erkenne man etwa an der geringen Anzahl der männlichen Kindergeldbezieher und Kindergärtner, der kaum vorhandenen Arbeitsteilung im Haushalt und der hohen Anzahl an Frauen, die aus familiären Grünen Teilzeit beschäftigt sind. Die SPÖ-Frauen fordern daher moderne Arbeitszeitautonomie der Eltern für eine gemeinsame und ausgewogene Kinderbetreuung und Berufstätigkeit beider Elternteile bis zu 10. Lebensjahr des Kindes; den flächendeckenden Ausbau der "Kinderbildungseinrichtungen" (Kinderbetreuungseinrichtungen); Recht auf Teilzeit bis zum Schuleintritt mit Rückkehrrecht auf Vollzeitarbeitsplatz unabhängig von Betriebsgröße und Beschäftigungsdauer; eigener Karenzanspruch für Väter mit vollem Kündigungsschutz und die Einführung eines Papamonats.

Gegen die "Gläserne Decke" schlug Prammer weitergehende Schritte vor. Sie regte eine gesetzliche Regelung nach norwegischem Modell an, wo es genaue Vorschriften für börsenotierte Unternehmen betreffend dem Frauenanteil in den Aufsichtsräten gibt. "Simone de Beauvoir sollte uns auch dazu verleiten, nach solchen "best practice-Beispielen" Ausschau zu halten." (Schluss) up

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