WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Im Streit um Ökostrom fehlt der grosse Wurf - von Esther Mitterstieler

Die grosse Schwäche liegt im untypisch hohen Stromverbrauch

Wien (OTS) - Zugegeben: Alles in Gesetze zu meisseln bis zur gröbsten Unflexibilität, ist per se Unfug. Die x-te Ökostrom-Novelle in wenigen Jahren kann daher wohl auch nicht der Weisheit letzter Schluss gewesen sein. Was sich auch am bescheidenen, aber unter diesen Umständen vorhersehbaren Resultat ersehen lässt. Besser wäre es, hier ein für allemal zu entflechten, was das Zeug hält. Also statt die Energie krankzunovellieren endlich ein klares Energiegrundgesetz zu verabschieden, in dem die Leitlinien der künftigen Energiepolitik festgelegt werden.

Ein Blick nach Deutschland zeigt: Eine Entflechtung ist gewinnbringend - für Unternehmen wie Konsumenten. Die Förderung von erneuerbarer Energie und Kraft-Wärme-Koppelung zu trennen war klug. Ebenso bräuchte Österreich dringend ein Gesetz zur Energieeffizienz. Der Verbrauchsvergleich zeigt: So mies wie Österreich ist fast kein Land in Europa. Bei einem BIP-Wachstum von einem Prozent wächst der Elektrizitätsverbrauch in Österreich um 1,5 Prozent. In Deutschland sind es 0,8 Prozent, in Dänemark nur 0,7 Prozent. Die grosse heimische Schwäche liegt also im untypisch hohen Stromverbrauch.

Noch frappierender ist, dass seit der Liberalisierung vor sieben Jahren keiner mehr genau weiss, wer schuld an dem ständig überproportional wachsenden Energieverbrauch ist. Denn seitdem müssen die Energieversorger die einzelnen Bereiche nicht mehr offenlegen. Sprich: Ob Haushalte oder Unternehmen, wer im Verhältnis höhere Zuwachsraten hat, ist offiziell nicht bekannt. Da könnte man doch auch einmal für Transparenz sorgen. Dass nun alle Seiten ihre Theorien auf den Tisch legen und sich gegenseitig Schuld zuweisen, die an und für sich jede(r) von uns hat, gleicht auch einem Kampf unter Einäugigen.

Die Grünen wollen die Bioenergie voll in den Wettlauf mit den fossilen Energieträgern schicken. Dabei kann Bioenergie einfach nicht so weit ausgebaut werden, dass diese der fossilen Energie auch nur annähernd das Wasser reichen kann. Die Kontrollbehörde E-Control wiederum sieht naturgemäss vor allem die Kosten und will diese so niedrig wie möglich halten. Auch das ist legitim, aber nur eine Seite der Medaille. Also gilt es, endlich aufzuhören mit Ad-hoc-Novellierungen, die viele kurzfristige Nutzniesser hatten, aber keine langfristige Energie-Strategie sein kann. Einmal war Wienstrom Nutzniesser, dann wieder mittlere Kraftwerke an der Mur und Salzach, die die Landeshauptleute durchsetzten. Fazit: Lasst den Minister einen wirklichen Energiewurf machen.

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