WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Ende der Wiener IPO-Depression in Sicht - von Angelika Kramer

Dank Meinl wird nicht mehr alles am Markt platziert werden können

Wien (OTS) - Neues Jahr, neues Glück. Das gilt natürlich auch für die Wiener Börse. Und dieses neue Glück kann sie wirklich gut brauchen, denn das Jahr 2007 hat mit dem Ausnahme-Börsegang der Strabag nicht allzu viel Interessantes an die Börse geschwemmt. Die insgesamt fünf "richtigen" Börsegänge - und da sind die Papiere der beiden gefloppten Meinl-Gesellschaften nicht einmal dabei -bescherten ihren Aktionären bislang bestenfalls keine Verluste. Einen der herbsten Tiefschläge musste die Wiener Börse aber knapp vor Jahresende einstecken, als zwei Fixstarter - Frequentis und Breitenfeld - ihre Börsepläne wieder verwarfen. Damit trat ein, womit die Börsechefs nicht gerechnet hatten: Das Jahr 2006 blieb, gemessen an der Zahl seiner Börsegänge, besser als 2007.

Und dabei war 2007 in Europa ein Rekordjahr bei Börsegängen: 433 Neulinge kassierten insgesamt 107 Milliarden Dollar. Auch weltweit lagen IPOs mit einem Zuwachs von 18 Prozent und 260 Milliarden Dollar Emissionsvolumen im Trend.

Neues Glück also - und es sieht tatsächlich so aus, als könnte Wien 2008 wieder mehr Glück bei Börsegängen haben. Auch wenn das Marktumfeld noch nicht wirklich rosig aussieht. Denn die gewichtigen Investoren - und davon gibt es mehr als man denkt - werden nicht ewig auf ihren Cash-Bergen sitzen. Und irgendwann wird auch der ewig sichere Hafen Gold aus dem Ruder laufen und nicht mehr das liefern, was sich die meisten erhoffen. Zudem scheint ein Ende der US-Immobilienkrise, die ja die Hauptschuld an der Unsicherheit der Märkte trägt, in Sicht. Auch das internationale Umfeld dürfte positive Impulse für Wien bringen: Experten berichten, dass die IPO-Pipelines in Osteuropa zum Bersten voll sind und auch in Deutschland wird fix mit einer weiteren Verbesserung gerechnet. Last, but not least spricht auch der Optimismus der WirtschaftsBlatt-Leser für ein gutes Jahr an der Börse: 63 Prozent der Befragten rechnen mit gleichbleibenden oder steigenden Aktienkursen.

Allerdings - und das ist gut so - wird nicht mehr alles am Markt platziert werden können. Dies ist sicherlich auch ein Verdienst des Hauses Meinl. Denn leere Hüllen mit nichts ausser einer Idee darin zu verkaufen, wird für die Unternehmen im heurigen Jahr bestimmt schwerer werden. Solide Kennzahlen, Dividenden und plausible Börsestorys werden für den Anleger in einem unsicheren Umfeld immer wichtiger und geben im Jahr 2008 den Ausschlag über IPO-Top oder IPO-Flop.

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