ÖVP-Perspektiven als Hauptthema bei SPÖ-Klausur

ÖVP-Pressedienst stellt Auszug aus Perspektivenpapier zur Verfügung

Wien, 03. Jänner 2008 (ÖVP-PD) Angesichts der heutigen Ankündigungen der SPÖ, dass die Bildungsgarantie bis zum 18. Lebensjahr ein Hauptthema der SPÖ-Präsidiumsklausur ist, stellt der ÖVP-Pressedienst einen Auszug aus dem am 1. Oktober 2007 von Perspektivenleiter BM Dr. Josef Pröll präsentierten Perspektivenpapier zur Verfügung. ****

Das ÖVP-Perspektivenpapier beinhaltet bereits einen ausgearbeiteten Stufenplan zur Realisierung der Bildungsgarantie
bis zum 18. Lebensjahr (Auszug aus dem Ergebnispapier, S. 25 ff):

"Kein Jugendlicher ohne Abschluss: Oberstufe oder Lehre"

Das höchste Arbeitslosenrisiko haben jene, die nur die Pflichtschuljahre absolviert haben, aber über keinen Bildungsabschluss verfügen oder aber Leistungsschwächen in einzelnen Fächern aufweisen. Personen ohne abgeschlossene berufliche Erstausbildung sind am Arbeitsmarkt schwerwiegend benachteiligt. Sie scheitern in aller Regel an den Anforderungen
der Erstausbildung. Antworten auf diese Herausforderungen sind nur durch Anpassung und Modernisierung des gesamten Schul- und Ausbildungssystems möglich.

In Zukunft soll es keine Jugendlichen ohne Abschluss geben. Neben einer fundierten Grundausbildung hat jeder Jugendliche in Österreich das Recht auf eine berufliche Ausbildung. Daher treten wir für die Umsetzung der Bildungsgarantie für unsere Kinder und Jugendlichen ein. Jugendliche brauchen eine ehrliche Perspektive für ihr weiteres Leben. Jeder junge Mensch soll sich darauf verlassen können, dass bis zum 18. Lebensjahr ein Ausbildungsplatz auf individuell optimalem Niveau bereitsteht. Diese
Bildungsgarantie sind wir der jungen Generation schuldig. Dabei gehört die duale Ausbildung auch gestärkt. Jedem Kind seine Chance, seine Berufsqualifikation.

Die Zahl der Dropouts muss in der Oberstufe weitestgehend gesenkt werden: einerseits durch verbesserte Bildungsberatung vor der 9. Schulstufe, andererseits, indem qualitätsgesicherte Umstiegsmöglichkeiten unter Anrechnung von Lernzeiten und Lernergebnissen zwischen und innerhalb der Oberstufe bzw. der
dualen Ausbildung eingerichtet werden. Vergleichbare Gegenstände, Lerninhalte und Ausbildungsbereiche sollen anerkannt werden.
Dadurch soll der Wechsel von einer Schulart bzw. Ausbildung in die andere erleichtert werden. Individuelle Förder- und Stützprogramme sollen ausgebaut werden, um den Dropout möglichst gering zu halten.

Wir fordern deshalb: * Die Möglichkeiten der Kombination von Lehre und (Berufs-- )Reifeprüfung sollen erweitert werden. Im Rahmen der Lehrlingsausbildung soll unter Anrechnung von schulischen Vorqualifikationen in der Berufsschule eine weitgehend kostenlose Vorbereitung auf die Berufsreifeprüfung ermöglicht werden. Die bestehende Notwendigkeit der Berufspraxis vor Ablegung der Berufsreifeprüfung bleibt aber bestehen, um die internationale Anrechenbarkeit dieses Abschlusses zu gewährleisten. * Auch für Erwachsene soll es möglich sein, Schulabschlüsse aller Bildungsangebote der Mittelstufe und Oberstufe in modularen Systemen in öffentlich finanzierten Bildungseinrichtungen und an Schulen gebührenfrei berufsbegleitend nachholen zu können. Auch die Berufsreifeprüfung soll auf dieser Basis nachgeholt werden können. * Jugendliche, die keinen Lehrvertrag bekommen und nicht den Weg der Oberstufe beschreiten wollen, können bei entsprechender Eignung die praktischen Ausbildungsteile in geeigneten Einrichtungen (z. B. Werkstätten) erwerben. Die Berufe und Kapazitäten werden in Abstimmung mit der Wirtschaft festgelegt. * Die Curricula der berufsbildenden Schulen sollen durch Fachhochschulen und Universitäten in facheinschlägigen weiterführenden Studien zeitlich und inhaltlich angerechnet werden. * Bei Jugendlichen, die sich eine Ausbildung aus finanziellen Gründen nicht leisten können, soll eine weitergehende Unterstützung zur Erreichung des von ihnen angestrebten Bildungsziels geprüft werden.

Eine verbesserte Lehrlingsausbildung muss Hand in Hand gehen
mit einer Mindestlehrlingsentschädigung. Derzeit verdienen Lehrlinge in verschiedenen Branchen unterschiedlich viel (Lehrling im Baugewerbe bis zu 700 Euro, Zahntechnikerlehrling nur 230 Euro). Das ist nicht fair und gerecht. Daher fordern wir eine Mindestentschädigung für Lehrlinge, die jedenfalls bei 500 Euro liegen muss.

Das Ziel unserer Bildungspolitik ist die bestmögliche Ausbildung für jeden. Am Beginn der Industrialisierung wurde die Daseinsvorsorge zu einer zentralen Aufgabe des Staates, vom Wasser und Strom über Hygiene und Gesundheit bis hin zur sozialen Sicherheit. Heute, am Beginn einer globalen Wissensgesellschaft,
ist die Bildungsvorsorge von einer ähnlichen epochalen Bedeutung. Der Staat hat die Rahmenbedingungen für Qualität zu schaffen und dafür zu sorgen, dass niemand aus finanziellen Gründen draußen vor der Tür bleibt. Auch die Sozialpartner sind in der Pflicht, an der Bildungsvorsorge für eine veränderte Arbeitswelt mitzuwirken. Jeder Einzelne muss sich anstrengen. Im Interesse der jungen Menschen brauchen wir eine sozial verantwortliche Leistungskultur.

Das zukünftige Bildungssystem muss sicherstellen, dass alle die Chance auf die individuell höchste Qualifikation vorfinden und Durchlässigkeit zum tertiären Bildungsbereich (Fachhochschulen und Universitäten) gegeben ist. Wir schlagen deshalb vor, dass ein Übergang zum tertiären Bildungsbereich ohne Hürden gegeben ist, ausgehend vom Abschluss

  • der Oberstufe der allgemeinbildenden Schulen;
  • der Oberstufe der Berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (HAK, HAS, HTL, HBLA etc.);
  • der Lehrausbildung mit der Meisterprüfung.

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