Wirtschaft versinkt in Flut von Steuerformularen

Kammer der Wirtschaftstreuhänder schlägt Alarm

Wien (OTS) - Mit einer Flut neuer Formulare, die immer
komplizierter werden, sehen sich die österreichischen Steuerzahler konfrontiert. Jetzt schlagen die Wirtschaftstreuhänder Alarm: Anstatt der von der Bundesregierung beschlossenen Entlastung durch Verwaltungsvereinfachung droht eine Kostenlawine.

40 verschiedene Formulare nur in der Kategorie Einkommensteuer. Eine Ausfüllanleitung für die Einkommensteuer für Personengesellschaften, die 27 Seiten umfasst, neue Informationsanforderungen, die aus dem Rechnungswesen nicht einwandfrei und nur mit enormen Aufwand erfüllt werden können. Der Präsident der Kammer der Wirtschaftstreuhänder, Klaus Hübner, hat das Bürokratiepaket des Finanzministeriums aufgelistet das die Betrieben mit Millionen Euro belasten wird.

Was Hübner besonders ärgert: Die Bundesregierung hat erst im Vorjahr mit großem Aufwand die Initiative "Verwaltungskosten senken" gestartet. Die der Wirtschaft aus dem behördlichen Papierkrieg erwachsenden Kosten wurden auf rund vier Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Das Einsparungsziel: Eine Milliarde Euro. Ein Durchschnittsbetrieb sollte um mehr als 15.000 Euro entlastet werden, versprach Vizekanzler und Finanzminister Wilhelm Molterer.
Alle Ministerien sollten zum 25-prozentigen Einsparungsziel beitragen. Besonders gefordert: Das Finanzministerium, das Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft sowie das Justizministerium. Auf diese drei Ressorts entfallen 70 Prozent der Verwaltungskosten der Wirtschaft.

Geschehen ist das Gegenteil, sagen die Wirtschaftstreuhänder. Die Formulare sind mehr statt weniger geworden, sie sind komplizierter statt einfacher und die ganze Sache wird teurer statt billiger. "Der Zug fährt in die fasche Richtung", ergänzt der Vorsitzende des Fachsenats der Kammer der Wirtschaftstreuhänder, Karl Bruckner und führt als Beispiel die seit Jahresbeginn geltende Umsatzsteuervoranmeldung an. "Da sind nur zwei kleine Kästchen dazu gekommen, die jeder Betrieb ausfüllen muss. Aber die haben es in sich." Vorsteuern im Zusammenhang mit neuen Gebäuden und mit Kfz sind getrennt anzuführen. Jetzt geht aus der Rechnung des Tapezierers aber nicht hervor, ob das Gebäude neu gebaut wurde oder renoviert. "Das heißt der Buchhalter fragt den Abteilungsleiter, der den Geschäftsführer und der weiß das natürlich auch nicht", beschreibt Bruckner das Problem der Informationsbeschaffung.

Und Bruckner hat noch ein zweites Beispiel parat: Spätestens seit heuer müssen Betriebe jede Umsatzbewegung einzeln aufzeichnen und diese aufbewahren. Das bedeutet insbesondere in der Gastronomie einen wesentlichen Mehraufwand und die dafür notwendige Zeit fehlt für die Betreuung der Gäste. "In Unternehmen mit Stoßgeschäft ist das überhaupt nicht machbar", sagt Bruckner. Besonders betroffen sind nicht nur Theaterbuffets, sondern ganze Geschäftszweige wie Diskotheken, Nachtlokale, Schihütten oder Ausflugsrestaurants.
Die Wirtschaftstreuhänder verlangen, dass die Arbeitsgruppe zur Ausarbeitung verbindlicher Regeln für einfachere Verwaltung rasch einberufen und mit konkreten Terminvorgaben versehen werden. Erste Vorschläge: Die Anhebung der Buchführungsgrenzen, die Wiedereinführung des Kassasturzes als Abrechnungsmodus in den meisten Gastronomiebetrieben und die Sistierung der zwei neuen Informationsverpflichtungen bei der Umsatzsteuervoranmeldung.

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