Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Tagebuch

Fragen zum Jahreswechsel

Wien (OTS) - Was sonst noch im ablaufenden Jahr passiert ist. Und ein Fragezeichen zurückgelassen hat:

Russen zählen bereits zu den fünf wichtigsten Gästenationen, die Österreichs Tourismuskassen füllen. Klingt angesichts der dortigen Ölmilliarden gut. Aber wie werden auf Dauer die anderen Touristen -etwa auch jene aus Österreich - auf die durch Lautstärke, mangelnde Sprachkenntnisse und neuen Reichtum sofort auffallenden Putin-Untertanen reagieren?

Die Chefs der "Zeit im Bild" wollen "Meinungsvielfalt" und "journalistische Freiheit" praktizieren. Klingt gut, hätte man nicht von der Pflegenotstands- bis zur Arigona-Kampagne gesehen, wie ein-fältig im ORF Viel-falt aussieht. Denn wo bleibt das politische Pendel wohl stecken, wenn interne Vertretungswahlen vor kurzem eine massive 11:5-Mehrheit für die geschlossene Linksfront unter den Redakteuren ergeben haben? Wie viel Raum für "Vielfalt" kann es noch geben, wenn deren "Freiheit" alle anderen Freiheiten erdrückt?

"Efrauzipation" und "eine studentINNENische Gruppe" liegen an der Spitze bei der Suche nach den Unwörtern des Jahres. Was wird die deutsche Sprache noch alles aushalten müssen (andere Sprachräume kennen diese Hysterie ja nicht), weil eine Handvoll sprachlich zurückgebliebener Feministinnen beiderlei Geschlechts den Frauen neuerdings einredet, dass diese nie zu den Österreichern gehört hätten? Wann werden die Sprachvergewaltiger und Sprachvergewaltigerinnen entdecken, dass noch viele Wörter und Wörterinnen ihrer Untaten und Untateren harren: Wann wird "das" Mädchen zu "die" Mädchen? Wann wird Michael Häupl zum BürgerInnenmeister? Wann kommt bei Negativvokabeln wie "Terroristen", "Faschisten", "Mörder" oder "Fundamentalisten" endlich auch die politik- und universitätsübliche Gender-Zungenbrecherei?

Wir regen uns zu Recht immer über Korruption in der Dritten Welt und in Osteuropa auf. Warum gibt es nicht die gleiche Aufregung, wenn sich der französische Präsident von reichen Freunden auf Jachten und andere Luxusurlaube einladen lässt? Glaubt jemand, dass das keine Abhängigkeiten und unausgesprochenen Verpflichtungen zwischen Politiker und Mäzen schafft?

Viele Fragen, die uns ins neue Jahr begleiten.

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