"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Im öffentlichen Gagen-Paradies" (Von Alois Vahrner)

Ausgabe vom 28. Dezember 2007

Innsbruck (OTS) - Was werden die heimischen Politiker nicht unter Beschuss genommen wegen ihrer vermeintlich viel zu hohen Gagen? Im Vergleich zu einem Durchschnittsverdiener kriegen viele Politiker tatsächlich ein Vielfaches. Ob zu Recht oder nicht, bleibe mal dahingestellt.

Dabei ist wirklich alles relativ: Vergleicht man die Polit-Gagen hingegen mit jenen von manchen Spitzen-Managern, dann sieht die Sache völlig anders aus. Mit seinen jährlich 273.600 Euro brutto verdient etwa Bundeskanzler Alfred Gusenbauer weit weniger als die Vorstände aus staatsnahen Unternehmen. So fliegen die Bosse der nicht gerade rasend gewinnträchtigen AUA mit fast 682.000 Euro dem Kanzler laut Rechnungshof gagenmäßig weit davon. Mehr als doppelt so viel wie Staatslenker Gusi oder sein Vizekanzler und Finanzminister Molterer bekommen auch die Chefs der Staatsholding
ÖIAG, des Verbund oder der ÖBB. Bei der Bahn kassieren gleich 15 Manager mehr als der Kanzler. Den Post-Chefs sind zwar heuer einige Großkunden wie Quelle oder Otto abgesprungen, beim Einkommen hängen sie die Staatsspitze trotzdem um Längen ab. Und auch im chronisch hochdefizitären Kulturbereich lässt es sich fürstlich verdienen: So erhält der Chef des Kunsthistorischen Museums, Wilfried Seipel (bekannt auch durch den Fall Saliera),
fast gleich viel Gage wie der Kanzler.

Politiker stehen zu Recht unter Beobachtung, was ihre Einkommen betrifft. Dass zumindest die erste Garde gemessen an ihrer Verantwortung nicht überbezahlt ist, steht fest. Dass manche Ämterkumulierer aus der zweiten und dritten Reihe so überbezahlt sind wie manche Bosse im staats- und damit politiknahen Bereich, aber ebenfalls.

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung
Chefredaktion
Tel.: 05 04 03 DW 610

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT0001