• 21.12.2007, 16:00:00
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"KURIER"-Kommentar von Christoph Kotanko: "Das Volk, der Zorn und die Zukunft"

Die Angstmacher haben Hochbetrieb. Verschwiegen wird, dass uns die EU nützt.

Wien (OTS) - Die niederösterreichische FPÖ-Abgeordnete Barbara
Rosenkranz wird von manchen Politikern beneidet: Sie bezahlt keinen
Inseratentarif und bekommt doch in der größten Tageszeitung des
Landes reichlich Gelegenheit für parteipolitische Agitation.
Rosenkranz ist eine Gegnerin der EU. Besonders stört sie die
Öffnung der Grenzen zu den östlichen Nachbarn. Was in anderen
Ländern als der endgültige Fall des Eisernen Vorhangs gefeiert wird,
ist für Rosenkranz bloß eine Entgleisung der "politischen Klasse,
vom EU-Kommissar bis zum Landeshauptmann." Alles Schlimme kommt von
Schengen, so ihre Schelte. Rosenkranz und ihre Kameradschaft
argumentiert unentwegt mit dem angeblichen "Volkszorn", der
demnächst "explodiert" - als wären ein paar ausgewählte Leserbriefe
das getreue Abbild der Meinung von acht Millionen Österreicherinnen
und Österreichern. Wenn man diese Einzelmeinungen liest, könnte man
glauben, die Zeit sei seit 1945 stehen geblieben: Alles Böse komme
von Osten, es drohten Fremdbestimmung und Besetzung (diesmal aus
Brüssel) - Ura, ura anno 2007. (Ältere Österreicher erinnern sich
mit Schaudern an Sowjet-Besatzer, die es mit dem Ruf ura, ura auf die
Uhren biederer Bürgerinnen und Bürger, manchmal auch auf deren Leib
und Leben abgesehen hatten). Stimmungen und Stimmen. Nun ist nicht
alles an der EU-Kritik falsch. Die Union ist auch ein bürokratisches
Konstrukt, schwerfällig, oft bürgerfern, mit einer ausgeprägten
Regelungswut. Bei politischen Entscheidungen der Eurokraten werden
die Stimmungen und die Stimmen in den Mitgliedsländern zu wenig
gehört. Das führt zu Missmut und zu anti-europäischen
Ressentiments. Doch auf der Haben-Seite der EU steht ungleich
mehr. Diese Union ist ein Projekt von historischer Dimension. Ost und
West rücken zusammen. "Es ist ein bisschen wie beim Mauerfall!",
wurde in der Nacht zum Freitag am deutsch-polnischen Grenzübergang in
Frankfurt an der Oder gejubelt; die "tragischste Grenze Europas" sei
verschwunden, verkündeten die Beobachter, jetzt sei das 20.
Jahrhundert tatsächlich zu Ende. Grenzenlos wichtig sind die
EU-Freiheiten für die jüngeren Generationen. Sie sind die Zukunft:
Während die Älteren aus teils verständlichen Gründen skeptisch sind,
werden die Jüngeren ihre Chancen nützen. Solche Gelegenheiten gibt es
in allen Lebensbereichen, natürlich auch in der Wirtschaft:
Österreich stünde anders da, wenn es die EU und die Ost-Öffnung nicht
gäbe. Eines ist gewiss: Die Chancen, die das größere Europa bietet,
wiegen dessen Schwächen bei Weitem auf.

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