"Kleine Zeitung" Kommentar: "Über große Stunden, die jeden Kleinmut verdrängen sollten" (von Reinhold Dottolo)

Ausgabe vom 21.12.2007

Graz (OTS) - Es war in den Fünfziger-jahren des vorigen Jahrhunderts. Als Volksschüler im burgenländischen Großpetersdorf bekam der Autor mit, was es hieß, im Kalten Krieg am Eisernen Vorhang leben zu müssen. Die Besorgnis in den Stimmen der Erwachsenen ist in der Erinnerung präsent, als diese von Tausenden Ungarn-Flüchtlingen berichteten und davon, dass "der Russ" samt Panzern an der Grenze stünde. Noch Jahre später gewährte der östlich von Großpetersdorf gelegene Eisenberg einen Einblick in den real existierenden Sozialismus: Direkt vor den Hängen der für ihre mineralischen Rotweine bekannten Hügel lagen Todesstreifen, Stacheldrahtzäune, Minengürtel und Wachtürme. Bestens zu sehen von den Kellerstöckeln auf österreichischer Seite, wo fröhliche Zecher, beobachtet von ungarischen Wachposten, auch darauf anstoßen konnten, dass ein gütiges Schicksal es ihnen erspart hatte, auf der anderen Seite der Schreckensgrenze leben zu müssen. Unvorstellbar schien es jedem, der diese Freilichtdemonstration an Unterdrückung und Unfreiheit miterlebte, dass sich die Verhältnisse in Europa jemals so gestalten würden, wie sie es jetzt tun: Die kommunistischen Regime gefallen, der Eiserne Vorhang ebenso, ehemalige Warschauer-Pakt-Staaten in der Nato und viele der früheren Ostblockstaaten in der EU.

Das Friedensprojekt Europa, herbeigesehnt nicht nur von jenen, die ihre Kameraden in einem verbrecherischen Krieg verbluten sehen mussten, hat seinen Lauf genommen. Oft mühsam, aber beständig. Dass in der Nacht auf heute nicht die Grenzen, aber die Grenzbalken zu Österreichs Nachbarn Tschechien, Slowakei, Ungarn und Slowenien gefallen sind, ist nur ein weiterer, konsequenter Schritt in die richtige Richtung.

Damit sollen die Sorgen jener Menschen nicht weggewischt werden, die auch die andere Seite sehen - mehr Transitverkehr, mehr Kriminalität, mehr Konkurrenz im wirtschaftlichen Bereich. Doch wie relativ - und vor allem wie beherrschbar - ist dies alles im Vergleich zu dem, was vorher war.

Kleinmut ist jedenfalls nicht angebracht. Feiern schon. Dass der Kärntner Landeshauptmann meinte, dabei nicht mittun zu wollen, wird wohl eher an der Einbahn liegen, in der er sich mit seiner Europapolitik und seinem Ortstafel-Bestemm verfahren hat, als an seinem wahren Denken. Denn auch er müsste sich fragen: Ist es nicht auch eine große Stunde, erleben zu können, dass frühere Mitglieder der k. & k. Monarchie nun mit ihren Außengrenzen für die Sicherheit ihres einstigen Mutterlandes Österreich bürgen? ****

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