WirtschaftsBlatt Leitartikel - Ein Börsegang zur rechten Zeit - von Robert Gillinger

Aber anerkennt das Land OÖ die Spielregeln der Börse?

Wien (OTS) - Das Jahr 2008 wird an der Börse ein schwieriges Jahr. Die Unsicherheiten (Subprime, Kreditkrise, Inflation, Wirtschaftsflaute) lassen keine brüllenden Kursbewegungen erwarten, zumindest nicht nach oben. In so einem Umfeld wagt sich die Energie AG an die Börse. Klar, das Land Oberösterreich braucht ja dringend Geld, um den Kredit für den Rückkauf der bereits zuvor an EVN und Co. (Stichwort EnergieAllianz) verscherbelten Anteile bedienen zu können. An sich ist das nichts Verwerfliches und nährt die Hoffnung, dass der Börsegang zu einem für Privatanleger vernünftigen Preis erfolgt: Wer verkaufen muss, hat im Preispoker normalerweise schlechtere Karten als der Kaufinteressent. Wenn Länder die Finger im Spiel haben, sind die Regeln aber manchmal andere. Bleibt zu hoffen, dass es diesmal nicht so ist und im Branchenvergleich faire Bewertungsmultiples angewendet werden.

Doch zurück zum schwierigen Börsejahr. Denn in solchen Phasen performen Wirtschaftszweige, die von der allgemeinen Konjunkturentwicklung relativ wenig abhängig sind, in der Regel gut. Dazu zählen Aktien der Energiebranche, vor allem aus dem Bereich Strom. Die Energie AG wird daher rege Nachfrage auf sich ziehen; wenn der Preis nicht jenseits von Gut und Böse ist, zeichnet sich ein erfolgreicher Börsegang ab. Ein Zahlenbeispiel: Schon 2007 war es an der Börse nicht leicht. Europas Versorger performten aber
deutlich positiv (mehr als 25 Prozent plus), während der Gesamtmarkt praktisch nichts machte. Ähnlich abgeschlagen liegt der Gesamtmarkt, wenn man die schwierige Phase ab 2000 (IT-Blase, US-Rezession)ansieht.

Dann stellt sich aber die Frage, ob das Land auch mit dem Instrument Börse umgehen kann: Als reine Geldbeschaffungsmaschine verstanden, werden Privatanleger nicht froh werden. Dafür gibt es in Österreich drei Beispiele: Einen trotz aller Unkenrufe von der Politik relativ ungeschoren gelassenen Verbund, ein in der EVN übermächtiges Land Niederösterreich und eine Burgenland Holding, deren operatives Geschäft über die Bewag zuletzt zum reinen Spielball der finanzmaroden Landeskassa zu werden drohte. Jetzt raten Sie mal, wie sich diese drei Aktien seit Jahresbeginn entwickelten: Es führt ganz klar der Verbund, weit abgeschlagen kommen dann die beiden anderen. Es liegt also mehrheitlich am Land Oberösterreich, ob sein Energieversorger an der Börse das wird, was man von so einem Papier in der Regel erwartet - ein grundsolides Investment ohne politische Einflussnahme. Dazu muss dann egal sein, ob Rot, Schwarz oder wer auch immer regiert. An der Börse regiert immer das Geld - weiss das Oberösterreich auch?

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