EU: Reales landwirtschaftliches Einkommen je Arbeitskraft heuer um 4,7% gestiegen

Anstieg in Österreich von 4,9% verzeichnet

Luxemburg (AIZ) - Das reale landwirtschaftliche Einkommen je Arbeitskraft ist 2007 in der EU-27 im Schnitt um 4,7% gestiegen, nachdem es 2006 um 3,9% zugenommen hatte. Der Anstieg ergibt sich aus einer Erhöhung des realen landwirtschaftlichen Einkommens um 2,6% und einer Verringerung des agrarischen Arbeitseinsatzes um 1,9%. Dies teilte heute das statistische Amt der EU (Eurostat) mit. In Österreich kam es der Vorschätzung zufolge zu einem Anstieg von 4,9%.

Die Steigerung des realen landwirtschaftlichen Einkommens in der EU-27 wird von Eurostat auf die Zunahme der agrarischen Produktion zu realen Erzeugerpreisen um 4,6%, den Anstieg der Vorleistungskosten um 5,3% und stabil gebliebene reale Abschreibungen sowie auf die Verringerung des realen Wertes der Förderungen ohne Steuern um 3,1% zurückgeführt.

Die höchsten Steigerungsraten der realen landwirtschaftlichen Einkommen je Arbeitskraft wurden in Litauen (+58,5%), der Tschechischen Republik (+20,6%), Estland (+19,4%) und Luxemburg (+16,2%) verzeichnet. Die stärksten Rückgänge werden in Bulgarien (-18,6%), Rumänien (-16,1%) und Portugal (-5,8%) erwartet.

Österreich: Zuwächse im Pflanzenbau - Einbußen in der Schweinehaltung

In Österreich ist die Erhöhung des durchschnittlichen landwirtschaftlichen Einkommens je Arbeitskraft um 4,9% laut ersten Berechnungen der Statistik Austria einerseits auf wertmäßige Zuwächse in der pflanzlichen Produktion zurückzuführen: Die Getreidepreise stiegen enorm an und erreichten Höchststände, die hierzulande zuletzt vor dem EU-Beitritt erzielt wurden. Auch die Erzeugerpreise für Ölsaaten, Eiweißpflanzen und Milch fielen erheblich höher aus als in den letzten Jahren.

Gleichzeitig nahmen jedoch auch die Produktionskosten weiter zu. Verstärkt betroffen davon waren die Vieh haltenden Betriebe, die in der zweiten Jahreshälfte mit massiv gestiegenen Futtermittelpreisen konfrontierten wurden. Zu den Verlierern zählte dabei insbesondere die Schweinehaltung, wo die höheren Futterkosten mit rückläufigen Erlösen einhergingen. Die bei der Ermittlung des Einkommens berücksichtigten Förderungszahlungen lagen unter dem Vorjahresniveau. Der landwirtschaftliche Arbeitseinsatz war weiter rückläufig.

Landwirtschaftlicher Produktionswert erhöhte sich um 8,9% auf EUR 6,2 Mrd.

Im Detail ergibt sich die Zunahme des landwirtschaftlichen Faktoreinkommens in Österreich aus folgenden Entwicklungen: Der Produktionswert des agrarischen Wirtschaftsbereiches erhöhte sich 2007 um 8,9% auf rund EUR 6,2 Mrd. Dieser Anstieg ist primär auf den deutlichen Zuwachs des Wertes der pflanzlichen Erzeugung (+19,9%) zurückzuführen, der seinerseits zum Großteil aus den rasant gestiegenen Getreidepreisen resultiert. Erhebliche Preissteigerungen waren weiters bei Ölsaaten, Eiweißpflanzen sowie teilweise bei Obst zu verzeichnen. Bei Zuckerrüben waren die Erzeugerpreise hingegen im zweiten Jahr der Umsetzung der Zuckermarktreform weiter rückläufig, was durch entkoppelte Ausgleichszahlungen teilweise ausgeglichen wurde.

Die Ertragseinbußen, die in Ostösterreich infolge von Hitze und Trockenheit bei Getreide, Ölsaaten und Eiweißpflanzen zu verzeichnen waren, wurden damit mehr als kompensiert. Generell war bei den Feldfrüchten im Jahr 2007 ein deutliches West-Ost-Gefälle zu beobachten, wobei insbesondere beim Körnermais in den westlichen Bundesländern eine sehr gute Ernte eingebracht werden konnte. Im Gemüsebau und bei Zuckerrüben führten Flächenausweitungen zu höheren Produktionsvolumina. Die Weinerntemenge lag deutlich über dem niedrigen Vorjahresniveau. Geringer als im Vorjahr fiel hingegen das Erzeugungsvolumen von Futterpflanzen (Feldfutterbau, Futterhackfrüchte, Wiesen und Weiden) aus.

Rückgang der Schweinepreise

Der Produktionswert von Nutz- und Schlachtvieh nahm 2007 geringfügig ab. In der Schweinehaltung stand eine Ausweitung des Produktionsvolumens einem deutlichen Rückgang der Erzeugerpreise gegenüber. In der Rinderhaltung stagnierten die Preise im Mittel aller Kategorien. Nur bei Geflügel wurde - nach den Einbußen des Jahres 2006 infolge der Vogelgrippe - 2007 das Produktionsvolumen bei gleichzeitig höheren Erzeugerpreisen ausgeweitet.

Bei tierischen Erzeugnissen (Milch, Eier, Honig) waren wertmäßige Zuwächse zu verzeichnen. Für Milch und Eier konnten zuletzt deutlich höhere Preise erzielt werden als im Vorjahr. Im Produktionswert von Milch tritt der höhere Erzeugerpreis jedoch nur sehr abgeschwächt zutage, da 2007 die Milchprämie entkoppelt wurde und im Rahmen der Landwirtschaftlichen Gesamtrechnung (LGR) nicht mehr als Teil des Produktionswerts von Milch berücksichtigt wird. Aufgrund der Entkoppelung der Milchprämie nahm die Bedeutung der produktspezifischen Förderungszahlungen weiter ab.

Höhere Futtermittelpreise wirkten sich aus

In Summe verringerten sich die in die Ermittlung des Einkommens einbezogenen Förderungszahlungen heuer um 6,3%. Die Aufwendungen der Landwirtschaft für Vorleistungen erhöhten sich laut ersten Schätzungen im Vorjahresvergleich um 9,3%. Dabei schlugen insbesondere die stark gestiegenen Futtermittelpreise zu Buche. Die Abschreibungen für das Anlagevermögen erhöhten sich um 2,6%.

Aus den genannten Entwicklungen der Einzelposten der LGR resultierte ein Anstieg des landwirtschaftlichen Faktoreinkommens um 5,9%. Da der agrarische Arbeitseinsatz 2007 weiter rückläufig war (-1,2%), ergibt sich je Arbeitskraft ein höherer Einkommensanstieg (+7,3%). Real entspricht dies einem Zuwachs um 4,9%.
(Schluss) kam

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