Offener Brief an die Stiftungsräte des ORF

Wien (OTS) - Sehr geehrte Mitglieder des Stiftungsrates,

die Gebührenvalorisierung des ORF war nie die von der Filmwirtschaft favorisierte Maßnahme zur nachhaltigen Sanierung der finanziellen Situation des Unternehmens. Viel wichtiger erscheint uns eine klare Neudefinition des öffentlich-rechtlichen Auftrags am Beispiel von ARD/ZDF und BBC sowie entschiedene Strukturmaßnahmen im Unternehmen. Sollte dies nicht in den nächsten Monaten erfolgen, teilen wir die Einschätzung von Monika Langthaler, dass der ORF in Gefahr steht das Schicksal der "alten verstaatlichten Industrie" zu erleiden. Das kann niemand wollen.

Wir bedanken uns für die Bemühungen beider Regierungsparteien, wenigstens einen Großteil der Gebührenerhöhungen (zwei Drittel, das sind 15 von 24 Mio.) zusätzlich dem eigentlichen Unternehmensziel, die Herstellung von identitätsstiftendem, österreichischem Programm zu widmen. Diese nun beschlossene Zweckwidmung für das Jahr 2008 muss allerdings auch für die Folgejahre sichergestellt werden. Sonst passiert das, wovor viele Skeptiker aus Ihren Reihen zu Recht zu Recht warnen: Neues Geld versickert schnell in den Strukturen des ORF.

Die Gebührenerhöhung war der kurzfristige Notverband, die eigentliche Behandlung muss jetzt beginnen.

Diese kann keinesfalls wieder auf dem Rücken der Gebührenzahler ausgetragen werden. Das Thema eignet sich aber auch wenig für weitere Kampfabstimmungen der Vertreter der Freundeskreise von SPÖ und ÖVP. So verständlich ihre Auffassungsunterschiede durch die missglückte Kommunikation des ORF-Managements in den letzten Wochen waren, so sehr muss man befürchten, dass - sollte dies so weitergehen - Franz Küberl leider Recht behält:
"Die Fundamentalopposition von SPÖ und ÖVP zerstört den ORF".

So kam es letzten Donnerstag zum paradoxen Ergebnis, dass ausgerechnet die Entscheidungen des Stiftungsrates zum Budget und zur Gebührenerhöhung dem ohnehin mächtigen Betriebsrat weiter den Rücken stärkten. Obwohl nicht beabsichtigt, wohl eine unerwünschte Folge der Pattstellung der beiden Freundeskreise.

Der einzige Sinn eines Senders ist sein Programm - der einzige Sinn eines ÖSTERREICHISCHEN ÖFFENTLICH-RECHTLICHEN SENDERS ist sein ÖSTERREICHISCHES PROGRAMM!

Die Mehreinnahmen durch die Gebühren-Valorisierung müssen den Mangel an unverwechselbaren, österreichischen Programm lindern und dürfen nicht wie bisher die überproportionalen ORF-Strukturen fördern.

Eine umfangreiche Sanierung und Zukunftssicherung des ORF muss sofort vom Stiftungsrat, von der Geschäftsführung und von der Politik veranlasst werden.

Wiewohl wir den Ärger vieler Stiftsräte über die vorgelegten Zahlen und Zukunftsperspektiven verstehen, möchten wir sie dennoch ersuchen:

Sorgen Sie möglichst rasch für ein Budget!

Verlangen sie von der Geschäftsführung nachvollziehbare, zukunftsweisende Konzepte!

Hauptleidtragende der derzeitigen Situation sind die Gebührenzahler und die Filmwirtschaft.

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