"Kleine Zeitung" Kommentar: "Die Medien-Maschine, die fürs Leben mundtot machen kann" (von Frido Hütter)

Ausgabe vom 19.12.2007

Graz (OTS) - Zehn Prozent aller Unter- Fünfjährigen haben ein TV-Gerät im Kinderzimmer. Bei den Sechs- bis Zwölfjährigen ist es sogar ein Drittel. Tendenz steigend. Aber 40 Prozent aller Eltern dieser Kinder sind der Meinung, dass Fernsehen ihrem Nachwuchs Angst macht. Ein Drittel meint, dass die Kinder dadurch aggressiver werden.

Soweit die Eckdaten einer soeben veröffentlichten Studie. Na und, könnte man sagen, immer noch besser als gewalttätige Video-Games, immer noch besser, Bruce Willis mäht fiese Typen nieder, als dass die Kinder selbst am Drücker sitzen.

Das Ganze auf den Gewaltfaktor zu reduzieren, greift zu kurz. Vorderhand muss man festhalten, dass Eltern dies alles trotz eigener Bedenken zulassen. Sei es, dass sie vom Erwerbsleben zu erschöpft sind, um sich ihrer Brut ausführlicher zu widmen oder sei es bloße Bequemlichkeit, die persönliche Kommunikation durch digitale Betäubung ersetzen lässt.

Die Zeiten, da man Fernsehen schlechtweg für ein Kinderseelengift gehalten hat, sind vorbei. Geblieben sind Dimensionen dieses Mediums, die in der Entwicklungsphase nachhaltige Schäden bewirken können.

Erstens verurteilt Fernsehen seine Kundschaft mit wenigen Ausnahmen zu totaler Passivität. Bild, Ton, Emotion, Schrecken, Heiterkeit etc. - alles wird vorgefertigt serviert, nichts muss geholt werden. (Worin es sich vom Internet markant unterscheidet).

Zweitens ist die Kommunikation eine reine Einbahnstraße, sieht man von irgendwelchen Shopping-Kanälen ab.

Drittens verbietet der unaufhaltbare Ablauf jedwede Frage. Kindern wird dadurch das apathische Gefühl diktiert, man könne nun einmal nicht alles verstehen, wozu also lang nachfragen.

Letzteres ist für den weiteren Bildungsweg verheerend. Zumal fast alles Wissen von Wissenwollen kommt. Und woher soll dieses kommen, wenn der Wille dazu schon so früh abgetötet wurde? - Was Passivität und mangelnde Optimierungsbegierde bewirken, kann man derzeit am österreichischen Fußballteam sehen, um ein harmloses Beispiel zu nennen.

Gewalt im Fernsehen und ihre Folgen lassen sich nicht ganz vom Tisch wischen. Aber was sind schon Bruce Willis und seine Kinoleichen gegen die realen Bomber in Allahs Namen? Oder aber auch gegen eine Regierung Bush, deren Irak-Abenteuer in der Geschichtsschreibung noch seinen verdienten Platz als Verbrechen finden wird. - Das alles ängstigt die Kleinen weit mehr. Und das wohl auch zu Recht. ****

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