Somalia: Schon 1400 Menschen auf der Flucht ertrunken

Mehr als doppelt so viele Todesopfer im Golf von Aden wie 2006

Mogadischu/Sana'a/Genf (OTS) - Gewalt und Chaos in Somalia treiben immer mehr Menschen in die Hände skrupelloser Schlepper im Golf von Aden. Die Verzweiflung der Menschen und die Brutalität der Menschenschmuggler fordern mehr Todesopfer denn je. Dies geht aus den neuesten Zahlen des UN-Flüchtlingshochkommissariats UNHCR hervor, die Dienstag veröffentlicht wurden: Über 1400 Männer, Frauen und Kinder haben 2007 die angestrebte Küste des Jemen nicht lebend erreicht. Das ist mehr als die doppelte Opferzahl im Vergleich zum Vorjahr.

Berichten zufolge haben allein am vergangenen Wochenende insgesamt rund 420 Flüchtlinge und Migranten auf zwei Schiffen aus Somalia und Äthiopien vor der jemenitischen Küste Schiffbruch erlitten. Mindestens 58 Tote sind zu beklagen, von weiteren 97 Personen muss das Schlimmste befürchtet werden, nachdem das größere Schiff auf einen Felsen aufgelaufen und das kleinere nach einem heftigen Streit unter den Schleppern und der nachfolgenden Panik an Bord gekentert war. Laufend werden Leichen angeschwemmt, wie UNHCR berichtet wird.

Die Überlebenden erhielten von Organisationen wie MSF, die mit UNHCR zusammenarbeiten, Erste Hilfe, Wasser und etwas zu essen, bevor sie ins Aufnahmezentrum von Mayfa’a gebracht wurden. 2007 haben bisher über 18.500 dieser "Boat people" bei UNHCR Unterstützung gefunden. 10.000 leben in einem Camp in Kharaz in der Nähe von Aden.

Aus dem großen Andrang hat UNHCR zwei Konsequenzen gezogen: Seine Hilfe für die Gestrandeten wird massiv ausgebaut. Bereits dieses Jahr wurden Grenzschützer und andere Beamte des Jemen im Umgang mit Bootsflüchtlingen geschult. Zudem kamen mehr UNHCR-Flüchtlingshelfer ins Land, um die Unterstützung und das Camp in Kharaz zu verbessern. 2008 kommen zusätzliche UNHCR-Außenstellen direkt an der Küste dazu. Zweite Konsequenz: Gemeinsam mit anderen Organisationen laufen Informationsinitiativen auf der afrikanischen Seite des Golfs von Aden, um die Menschen vor den Gefahren - wie etwa der Brutalität der Schlepper, die Menschen oft zu Tode prügeln oder über Bord drängen -zu warnen. Aber viele Betroffene geben den UNHCR-Mitarbeitern eine klare Antwort: "Wir nehmen das Risiko in Kauf. Denn wir haben nichts zu verlieren."

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