91.000 Armutsgefährdete in Kärnten

Armut und Reichtum nehmen gleichzeitig zu

Klagenfurt (OTS) - Armut und Reichtum nehmen auch in Kärnten gleichzeitig zu. Das ist das wichtigste Ergebnis einer Studie, die am Dienstag in Klagenfurt vorgestellt wurde. Erarbeitet wurde die Studie von der "Österreichischen Gesellschaft für Politikberatung und Politikentwicklung" auf Ersuchen der Kärntner Grünen.

Die wichtigsten Ergebnisse sind:

Die Zahl der armutsgefährdeten Menschen ist in Kärnten deutlich gestiegen. In Kärnten waren zuletzt (2005) 91.000 Menschen oder über 16 % der Bevölkerung armutsgefährdet. Das war die höchste Armutsgefährdungsquote aller Bundesländer.

Erwerbsarbeit schützt immer weniger vor Armutsgefährdung und Armut. Die Armutsgefährdung erwerbstätiger Haushalte hat deutlich zugenommen. Vor allem neue Erwerbsformen, die zu unregelmäßiger, nicht ganzjähriger und nicht ganztägiger Beschäftigung führen, haben die Armutsgefährdung stark erhöht. 2005 hatten nur mehr 55 % der Kärntner ArbeitnehmerInnen einen "Normalarbeitsplatz", waren also ganzjährig vollzeitbeschäftigt. Zuletzt (2005) lebten in Kärnten etwa 20.000 "working poor", also Menschen, die trotz Erwerbsarbeit armutsgefährdet oder arm sind.

Arbeitslosigkeit bedeutet häufig Armutsgefährdung und Armut. Kärnten hatte 2006 die dritthöchste Arbeitslosenquote aller Bundesländer. Sowohl das durchschnittliche Arbeitslosengeld wie auch die durchschnittliche Notstandshilfe liegen in Kärnten aber unter der Armutsgrenze.

Behinderung und Pflegebedarf erhöhen das Armutsrisiko. Weil der Großteil der Pflegeleistungen durch Angehörige, zumeist Frauen, erbracht wird, müssen diese oft ihre Erwerbstätigkeit einschränken. Die deutliche Zunahme älterer, pflegebedürftiger Menschen wird das Problem weiter verschärfen. In Kärnten werden derzeit etwa 32.000 Menschen durch knapp 30.000 Angehörigen und andere Hilfskräfte betreut und gepflegt.

Über 23.000 PensionistInnen sind in Kärnten armutsgefährdet, weil ihre Pensionen samt Ausgleichszulage unter der Armutsgefährdungsgrenze (2005: 771 Euro) liegen.

Kleine Kinder erhöhen das Armutsrisiko deutlich, weil sie die Erwerbstätigkeit vor allem bei Fehlen von Kinderbetreuungseinrichtungen einschränken. In Kärnten sind nur 42 % der Vorschulkinder in Kinderbetreuungseinrichtungen. Mehr als 32.000 Erwachsene und Kinder in Alleinerzieherhaushalten oder Familien mit 3 und mehr Kindern in Kärnten sind armutsgefährdet, WEIL sie in solchen Familienverhältnissen leben. Überdurchschnittlich viele Kinder und Jugendliche - 27.000 oder 21 % - leben in Kärnten in armutsgefährdeten Haushalten. Das ist weit mehr als der Bundesdurchschnitt (15 %).

Leistungen der öffentlichen Hand senken die Armutsgefährdung. Ohne die Sozialleistungen und Pensionen wären nicht 91.000, sondern 163.000 Menschen in Kärnten (28 % der Bevölkerung) nicht nur armutsgefährdet, sondern tatsächlich arm.

Zugleich nimmt auch der Reichtum in Kärnten zu. Die Zahl der Menschen mit hohem Einkommen (über 200 % des Medianeinkommens) hat in den letzten Jahren in Kärnten um rund 9.500 auf etwa 31.500 deutlich zugenommen. Ihre Einkommen sind mehr als dreimal so stark gestiegen wie das durchschnittliche Arbeitnehmereinkommen.

"Die Ergebnisse zeigen eindeutig, dass auch in Kärnten Armut und Reichtum gleichzeitig zunehmen. Weil das Ungleichgewicht immer spürbarer wird, ist eine Diskussion um Verteilungsgerechtigkeit in Gang gekommen. Veränderungen müssen dort anzusetzen, wo es die größten Probleme gibt: Erhöhung der Erwerbsbeteiligung und existenzsichernde Beschäftigungsformen bzw. Einkommen, auch bei den Älteren; Investitionen in die Bildung, in die Pflegesicherung und die Kinderbetreuung; Begrenzung der Lebenshaltungskosten, vor allem der Wohnkosten; Sicherung des soziales Netzes und eine gerechtere Besteuerung von Einkommen einerseits und Vermögen andererseits", so ÖGPP-Generalsekretär und Studienautor Dr. Andreas Höferl bei der Pressekonferenz. (Schluss)

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