Kammer der Wirtschaftstreuhänder warnt vor Abschaffung des "Kleinen Bauherrenmodells"

Wien (OTS) -

  • Schwerer Rückschlag für die Sanierung städtischer Problemgebiete
  • Schaffung günstigen Wohnraums wird deutlich verringert
  • Städten drohen höhere Kosten bei Sanierungsmaßnahmen

Erhebliche negative Folgen erwartet die Kammer der Wirtschaftstreuhänder (KWT) von der mit 1. Jänner 2008 drohenden de-Facto-Abschaffung des "Kleinen Bauherrenmodells". Die im aktuellen Entwurf der Bauherrenverordnung 2008 vorgesehenen Änderungen machen wirtschaftlich vernünftige Immobilienprojekte mit dieser Finanzierungsform unmöglich, insbesondere durch die Aktivierungspflicht für die bisher als Werbungskosten sofort absetzbare Beschaffung der Finanzierung und für Steuerberatungskosten.

"Wenn die Verordnung so in Kraft treten sollte, wird eine besonders effiziente und wichtige steuerliche Förderung klammheimlich abgeschafft", warnt KWT-Präsident Klaus Hübner. "Mit einem geringen Steueranreiz werden umfangreiche Investitionen ausgelöst. Diese spielen bei der Sanierung städtischer Problemgebiete und der Schaffung günstigen Wohnraums in innerstädtischen Lagen eine entscheidende Rolle." Allein 2007 wurden Investitionen von 100 Mio. Euro mittels Kleinem Bauherrenmodell finanziert und rund 500 Wohnungen in 25 erhaltungswürdigen Altstadthäusern geschaffen.

Die Kammer listet in ihrer Stellungnahme zum Verordnungsentwurf zahlreiche weitere Gründe für das Kleine Bauherrenmodell auf:

  • Die Sanierung innerstädtischer Problemgebiete würde zu Gunsten von Projekten "auf der grünen Wiese" zurückgehen, was erhebliche Infrastrukturkosten verursachte.
  • Sanierungen sind besonders arbeitsintensiv und schaffen daher deutlich mehr Arbeitsplätze als vergleichbar große Neubauinvestitionen.
  • Wohnungen in mit Bauherrenmodellen finanzierten Objekten sind zu festgesetzten (niedrigen) Mieten anzubieten, deutlich unter Richtmietzins oder angemessenem Mietzins. Das Wohnungsangebot für sozial Schwache würde also weiter verringert.
  • Die Beschränkung auf das Große Bauherrenmodell würde die Zahl der Investoren auf eine sehr kleine Gruppe sehr gut verdienender Personen einschränken. Damit könnten nur weit weniger Projekte verwirklicht werden, wichtige Sanierungs- und Stadtentwicklungsprojekte blieben auf der Strecke.
  • Die steuerliche Förderung wird nur dort gewährt, wo es auch eine kommunale Sanierungsförderung gibt. Das stellt sicher, dass die Förderung für die wichtigsten städtischen Problemgebiete eingesetzt wird. Beim Wegfall der Steuerstundung müssten die Kommunen deutlich mehr Mittel für die Sanierung bereitstellen.

"Der minimale fiskalische Vorteil wäre sehr teuer erkauft", warnt Hübner. "Es ist nicht nachvollziehbar, dass gerade eine steuerliche Möglichkeit abgeschafft werden soll, die so exakt zielgerichtet ist und nachweisbar sehr großen Nutzen stiftet." Der VwGH-Entscheidung vom April 2007, die als Begründung für die neue Verordnung genannt wird, könne auch anders Rechnung getragen werden und die bisherige Regelung könne beibehalten werden.

Minimalforderung der KWT ist eine zumindest einjährige Übergangsfrist bis 31.12.2008. Für zahlreiche Projekte wurden schon umfangreiche, teure Vorarbeiten geleistet, die sonst verloren wären. Der kurzfristige Wegfall fix geplanter Sanierungsprojekte wäre ein äußerst schmerzhafter Rückschlag für die Stadtentwicklung in den österreichischen Großstädten.

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