"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: " Regierung ist pflegebedürftig" (Von Manfred MITTERWACHAUER)

Ausgabe vom 18. Dezember, 2007

Innsbruck (OTS) - Einer hat immer das Bummerl. Bei der
Regionalbahn hat sich die Stadt Innsbruck das großteils selbst zuzuschreiben. Wenn ein schon im Jahre 2004 zwischen Bund, Land und Stadt paktierter Finanzierungsschlüssel drei Jahre später für null und nichtig erklärt wird - und das zu Lasten der Stadt - dann ist das kein Erfolg.

Dass die Regionalbahn einst als willkommenes Wahlkampfzuckerl diente, erweist sich nun als Bumerang. Das ,Hurra‘ war groß - lange bemerkte keiner, dass die ursprüngliche Kostenschätzung (202 Mio. Euro) völlig aus der Luft gegriffen und bar jeder Realität war. Die neue Machbarkeitsstudie zeigte die bittere Realität auf, die jetzt dazu führt, dass Innsbruck statt 77 ganze 175 Millionen Euro aufbringen muss, um die Regionalbahn ins Rollen zu bringen. Zum Vergleich: Der Landesanteil stieg moderater - von 92 auf 132 Mio. Euro.

Die Stadt war und ist der glühenste Verfechter der Regionalbahnidee. Das Dreispartensystem (Dieselbus, O-Bus, Straßenbahn) war Innsbruck auf Dauer zu teuer. Die Abkehr vom O-Bus hin zur Regionalbahn (Hall bis Völs) sollte Abhilfe schaffen. Zach und Co. hofften damit nicht nur Innsbruck vom Pendler-Moloch (40.000 Pkws täglich) zu befreien, sondern gleichzeitig weitere Fördertöpfe anzuzapfen. So der Plan. Innsbrucks Pech: jetzt, da die Finanzierung neu geregelt werden musste, stand die Stadt mit heruntergelassenen Hosen da: die O-Busse verkauft, die Regionalbahngarnituren bestellt und die Haltestellen adaptiert. Ein Zurück? Ausgeschlossen. Zach musste in den sauren Millionen-Apfel beißen. Weitere Bisse könnten folgen. Das Projekt hat keinen Deckel, ein Fass ohne Boden droht.

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