"KURIER"-Kommentar von Simon Kravagna: "Banale Fragen"

Was hat Österreich von der Abschiebung einer 15-jährigen Schülerin?

Wien (OTS) - Ich lasse mich nicht erpressen." So reagierte Innenminister Günther Platter vor Monaten, als Arigona Zogaj mit Selbstmord und ein skrupelloses Boulevard-Blatt mit schlechter Presse drohten. Und auch jetzt sagt die Schülerin: "Lebend gehe ich nicht." Erpressung? Natürlich nicht.
Irgendwie sind im Fall Zogaj alle gängigen Maßstäbe verrückt. Bei der 15-jährigen Schülerin handelt es sich nicht um eine Top-Terroristin, die die Republik in Geiselhaft nehmen will, sondern um ein verzweifeltes Mädchen, das die Welt nicht mehr versteht. Alle politischen Pro- und Contra-Argumente "für" oder "gegen" Arigona sind längst diskutiert. Alle Parteien und Medien haben Position bezogen. Da gibt es nichts mehr zu sagen. Festzustellen bleibt, dass rein rechtlich ein humanitäres Aufenthaltsrecht möglich gewesen wäre. Platter hat sich für die Abschiebung entschieden. Völlig unklar bleibt nur, was Österreich davon hat, ein integriertes Mädchen abzuschieben, das das Pech hatte, von ihrem Vater irgendwann illegal über die Grenze gebracht worden zu sein. Und wem es schaden würde, wenn sie hier bleiben dürfte. Aber das sind wohl viel zu banale Fragen für die hohe Politik.

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