Allgemeinmediziner: Stationären und ambulanten Bereich besser vernetzen

"Damit könnte eine enorme Effizienzsteigerung im ökonomischen sowie im medizinischen Sinn gelingen"

Wien (OTS) - Eine bessere Vernetzung zwischen intra- und extramuralem Bereich im österreichischen Gesundheitswesen forderten heute, Mittwoch, die Wiener Allgemeinmediziner im Rahmen einer Pressekonferenz der Ärztekammer für Wien zum Thema "Allgemeinmediziner: Stationäre und ambulante Versorgung besser vernetzen". Derzeit passiere dies nur "großmaschig und mit vielen Mängeln gespickt", so die Standesvertreter. Dabei könnte eine bessere Koordination der beiden Bereiche zu einer enormen Effizienzsteigerung im ökonomischen sowie im medizinischen Sinn beitragen. ****

Eine bessere Vernetzung wäre sowohl für die Patienten als auch für die aktuell prekäre Lage der Gebietskrankenkasse von großem Vorteil. Die Wiener Allgemeinmediziner fordern daher die Schaffung von Strukturen, um ein effizientes Nahtstellen-Management zuzulassen und zu fördern. Damit die Allgemeinmediziner ihre Funktion als "door-opener" und "Koordinatoren" künftig wahrnehmen können, seien möglichst engmaschige Netzwerke notwendig.

"Derzeit läuft Schnittstellen-Management nur bei regelmäßigen stationären Aufenthalten geordnet ab, beispielsweise bei chronisch Kranken oder onkologischen Patienten", betont Rudolf Hainz, stellvertretender Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte der Ärztekammer für Wien. Doch insbesondere in Hinsicht auf die demografische Entwicklung der Bevölkerung, auf die immer älter werdenden Menschen, sei ein funktionierendes Nahtstellen-Management für alle Patientinnen und Patienten notwendig.

Informationsdefizite müssen vermieden werden

In Akutfällen ist eine "geordnete" Überführung des Patienten häufig nicht möglich. Veranlasst der Hausarzt etwa eine sofortige Einlieferung ins Spital, erhält er oft keine Informationen darüber, in welches Krankenhaus der Patient eingeliefert wurde. In der Folge entsteht die Schwierigkeit, wie der Arzt - ohne Kenntnisse über den Aufenthaltsort des Patienten - relevante Daten dem Krankenhaus zukommen lassen kann. "Hier gibt es ein großes Potenzial an Effektivitätssteigerung, das zu einer besseren Vernetzung des intra-und extramuralen Bereichs führen könnte", meint Norbert Jachimowicz, ebenfalls stellvertretender Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte der Ärztekammer für Wien.

Optimierungspotenzial bei Entlassungsprozess vorhanden

Optimierungspotenzial sehen die Allgemeinmediziner auch im Bereich des Entlassungsprozederes beziehungsweise hinsichtlich der Organisation der Betreuung des Patienten nach der Entlassung. Häufig bestünde "enormes Informationsdefizit", nachdem der Patient aus dem stationären Bereich entlassen wurde, so Jachimowicz. So kommt es beispielsweise vor, dass der Hausarzt des Patienten keine Auskünfte über eine neue oder geänderte Medikation erhält und über den aktuellen Gesundheitszustand oder den Bedarf an weiteren Therapien nicht Bescheid weiß.

Probleme würden insbesondere dann auftreten, wenn Patienten knapp vor dem Wochenende entlassen werden und an den Hausarzt mit der Bitte um die im Spital verschriebene Medikation herantreten. "Im elektronischen Zeitalter muss es doch möglich sein, dass der Arzt früh genug über eine bevorstehende Entlassung des Patienten informiert wird und so bereits vorzeitig die notwendigen Schritte organisieren kann", betont Jachimowicz.

Einführung von Visiten im Spital durch Hausärzte gefordert

Um eine optimale Versorgung nach einem stationären Aufenthalt gewährleisten zu können, fordern die Wiener Allgemeinmediziner daher die Möglichkeit einer bezahlten Visite im Spital, wenn möglich zwei bis drei Tage vor der Entlassung des Patienten. Der Hausarzt könnte damit bereits vor der Entlassung notwendige Maßnahmen für den Übergang in den ambulanten Bereich in die Wege leiten und soziale Dienste oder Pflegepersonal organisieren. Sollte die Therapie bereits im Spital abgeschlossen werden, ist der so genannte Hausbesuch im Spital natürlich nicht notwendig.

Damit eng verbunden ist auch die Forderung der Ärztekammer nach einer Honorierung der ärztlichen Koordinationstätigkeit. So kümmert sich der Hausarzt beispielsweise häufig um die Koordinierung von Überweisungen zu den Fachärzten und klärt den Kollegen über die spezifischen Probleme des Patienten auf. Bei den kleinen Kassen sei dies eine Position, die den Ärztinnen und Ärzten für Allgemeinmedizin bezahlt werde. In Wien hingegen erhalte man dafür "keinen Groschen", kritisiert Hainz. (kp)

(Forts.)

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