"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Schachmatt im Pflegeschach" (Von PETER NINDLER)

Ausgabe vom 12. Dezember 2007

Innsbruck (OTS) - Wer von einem Pflegechaos in Österreich spricht, verrät nur die halbe Wahrheit. Deshalb nennen wir die Verantwortlichen beim Namen: Niederösterreichs LH Erwin Pröll (VP), Wiens BM Michael Häupl (SP) und Oberösterreichs LH Josef Pühringer (VP). Diese Herren haben in der Pflegediskussion Österreich in Geiselhaft genommen, weil sie es verabsäumt haben, in ihren Ländern vernünftige Pflegestrukturen aufzubauen.

Natürlich ist die legale 24-Stunden-Betreuung teurer als bisher. Schließlich sollen arbeitsrechtliche Bedingungen eingehalten werden. Aber wer kann sich schon jetzt die illegale Rund-um-die-Uhr-Pflege um 1.500 bis 1.800 Euro im Monat leisten? Alleinstehende Mindestrentner ohne Angehörige wohl nicht.

Weder Pröll noch Häupl noch Pühringer noch all jene, die jetzt von sozialer Kälte des Sozialministers reden, haben bisher einen Finger für Menschen gerührt, die vielleicht auch in ihren eigenen vier Wänden gepflegt werden wollen, denen es aber am nötigen Kleingeld fehlt. Und gäbe es die pflegenden Angehörigen nicht, die oft Übermenschliches leisten, würde der Engpass an stationären Pflegeeinrichtungen wohl alle Vorstellungen sprengen.

Nicht, weil es die ÖVP torpediert, ist das im Finanzausgleich ausverhandelte Pflegemodell ein Murks. Denn ein Zukunftsmodell benötigt eine Finanzierung aus einem Pflegefonds, Eigenvorsorge, ambulante bzw. stationäre (medizinische) Betreuung und Pflege sowie eine Erhöhung des Pflegegelds zugunsten pflegender Angehöriger. Deshalb müsste endlich politisches Hirnschmalz die Pflegedebatte dominieren, nicht primitives parteipolitisches Pflegeschach.

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion Tel.: 05 04 03 DW 610

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT0001