WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Diese Übernahme kann niemand wollen - von Alexis Johann

Die Antwort auf die Rewe/Adeg-Fusion muss ein klares "Nein" sein

Wien (OTS) - Das Match ist heiss: Es geht um 15 Milliarden Euro Umsatz, 83.000 Mitarbeiter und mehrere tausend Lieferanten. Was jetzt passiert, wird Österreichs Handelslandschaft nachhaltig verändern und Auswirkung auf das tägliche Kaufverhalten von acht Millionen Konsumenten haben. Wie es aussieht, gelingt es heimischen Handelsriesen gerade, eine magische Barriere zu überschreiten.

Schon vor acht Jahren wollte sich die Rewe-Gruppe das Erbe der Meinls einverleiben und scheiterte dabei am Widerstand der Wettbewerbsbehörde, die mehr als 30 Prozent Marktanteil im Einzelhandel als marktbeherrschende Stellung klassifizierte. Billa musste Filialen, speziell im Osten Österreichs, an den Hauptkonkurrenten Spar abtreten. Ein salomonisches Urteil, das sich nicht wiederholen lässt.

Gelingt es Rewe, 75 Prozent der Adeg-Anteile zu übernehmen, würde die gemeinsame Handelsgruppe knapp 36 Prozent Marktanteil erreichen. Für Nahrungsmittelerzeuger, Markenartikler und Bauern wäre eine Rewe-Listing die Conditio-sine-qua-non (Anm. d. Red.: notwendige, absolute, unerlässliche Bedingung). Spar wäre für die kommenden zehn Jahre zum Zweiten verdonnert, der heimische Markt nur noch über raffinierte Nischenkonzepte zu erobern. Schliesslich halten die Top drei der Branche (inklusive Hofer) nach Vollzug des Deals 85 Prozent des Umsatzes in ihrer Hand. Tendenz weiter steigend. Laut Handelsforscher Peter Schnedlitz wäre die Konzentration einmalig in Europa.

Diese Situation ist für niemanden wünschenswert. Nicht für die Lieferanten, denen damit der letzte Verhandlungsspielraum genommen wird, nicht für die Mitarbeiter, denen die Entwicklungsfantasie mangels Jobhopping fehlen wird und keinesfalls für die Konsumenten, die zwar weiterhin auf Preisschlachten in den mittleren Regaletagen hoffen können, aber früher oder später Vielfalt vermissen werden.

Konkurrenz können auch Wettbewerbsbehörden nicht erzwingen, das ist klar. Erschwerend wirkt, dass der Sündenfall eigentlich schon früher passierte, bei der Aufteilung von Konsum und Meinl. Die Sandwich-Position zwischen drei Platzhirschen ist unangenehm und auch für internationale Spieler kaum zu bewältigen. Adeg wird verkauft, weil Adeg nicht genügend verkauft. Zielpunkt sucht seit Monaten einen Partner - und abseits von Spar scheint sich niemand dafür zu interessieren. Klappt Rewe/Adeg, wird niemand Spar den Zielpunkt versagen können. Daher muss die Antwort auf diese Fusion ein deutliches "Nein" sein. Es gibt später kein Zurück.

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