Ärztekammer fordert realisierbare Angebote von der WGKK

Steinhart: "Bei Honorardeckelung könnten wir ab November die Ordinationen zusperren"

Wien (OTS) - Im Zuge einer kurzfristig einberufenen Sitzung in den Gremien der Wiener Ärztekammer wurde gestern, Montag, Abend die bereits am vergangenen Samstag bekannt gewordene Unterbrechung der Vertragsverhandlungen mit der Wiener Gebietskrankenkasse bestätigt. Die Ärztekammer hatte die Verhandlungen ausgesetzt, da "ein Weiterverhandeln derzeit gänzlich aussichtslos erscheint", so Ärztekammer-Vizepräsident Johannes Steinhart. Die Standesvertretung hofft nun auf neue "realisierbare" Vorschläge seitens der WGKK. Erst dann wolle man sich wieder "an einen Tisch setzen". ****

"Die Gebietskrankenkasse hat - wahrscheinlich aufgrund ihrer finanziellen Lage - nur Angebote vorgelegt, die die Ärztekammer als unverantwortlich gegenüber den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten betrachtet", so Steinhart. Aus eben diesem Grund werte die Standesvertretung den Vorschlag der WGKK, die ärztlichen Honorare zu deckeln, lediglich als einen Versuch, der Politik ihren Willen zur Einsparung zu zeigen. Ein Entgegenkommen im sozialpartnerschaftlichen Sinn habe man bisher jedoch vermisst, so der Vizepräsident.

Verheerende Folgen für Patienten

Für die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte Wiens würde eine Deckelung der Honorare bedeuten, dass die Ordinationen jedes Jahr ab Mitte November zusperren könnten, so Steinhart. Etwa ab diesem Zeitpunkt wäre die ärztliche Betreuung der nachfolgenden Patienten nicht mehr vertraglich gesichert. Denn: "Eine Deckelung der ärztlichen Honorare bedeutet nichts anderes, als dass nur mehr die Behandlung einer vertraglich festgelegten Anzahl an Patienten von der WGKK finanziell gedeckt wäre", erklärt Steinhart. Für die Versorgung der Wiener Patientinnen und Patienten hätte das "verheerende Folgen".

Kammer ist offen für neue Vorschläge

Den konkreten Anlass zur Unterbrechung der Verhandlungen hatte am vergangenen Samstag aber auch die Diskussion rund um die chefärztliche Pflicht für die Ärztinnen und Ärzte für Physikalische Medizin geboten. Diese sei mit enormen Leistungskürzungen für die Patienten sowie mit massiven Einsparungen bei den Fachärzten einhergegangen. Auch hier gebe es zwischen den Positionen der WGKK und der Wiener Ärztekammer "einen tiefen Graben und noch keine Chance auf eine Einigung".

Sollte die Gebietskrankenkasse in den kommenden Wochen der Standesvertretung einen Kompromiss anbieten, sei man in der Kammer sicherlich bereit, erneut zusammenzukommen und diesen gemeinsam zu diskutieren. Allerdings: "Ein Deckel ist kein Kompromiss!" Und auch ein Weiterbestehen des Chefarztdienstes in der derzeitigen Form mit Rationierungen und massiven Einschränkungen für die Patienten werde von der Ärztekammer nicht akzeptiert.

Steinhart: "Erst wenn beide Punkte, also Honorardeckelungen und Chefarztpflicht, von der WGKK gestrichen werden, hat es für uns Sinn, die Verhandlungen wieder aufzunehmen." (kp)

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