- 10.12.2007, 10:56:15
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Evangelisch-lutherischer Bischof Sturm feierlich verabschiedet
Empfang in der Nationalbibliothek - Schmied: Sturm hat Bild dieser Kirche maßgeblich mitbestimmt - Krätzl: Ökumene des Vertrauens gewachsen
Wien (epdÖ) - Mit einem feierlichen Gottesdienst in der
lutherischen Stadtkirche und einem Empfang in der Nationalbibliothek
ist am Sonntag, 9. Dezember, der evangelisch-lutherische Bischof
Herwig Sturm verabschiedet worden. Sturm tritt mit Ende des Jahres
nach Erreichen der Altersgrenze in den Ruhestand. Sein Nachfolger im
Bischofsamt ist Michael Bünker.
An dem Empfang haben zahlreiche RepräsentantInnen aus den
Arbeitsbereichen der Evangelischen Kirchen, der Ökumene und des
politischen Lebens teilgenommen, darunter etwa Vizekanzler Wilhelm
Molterer, Bundesministerin Claudia Schmied, Weihbischof Helmut
Krätzl, Metropolit Michael Staikos, Oberin Christine Gleixner und der
Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Anas Schakfeh.
Die zuständige Kultusministerin Claudia Schmied dankte namens der
Republik Österreich der Evangelischen Kirche für ihre "besondere
Sensibilität für Minderheiten". Bischof Sturm habe das Bild seiner
Kirche "maßgeblich geprägt". Konkret erwähnte sie Sturms Engagement
in der Asylpolitik und im Prozess "Wirtschaft im Dienst des Lebens".
Weihbischof Helmut Krätzl verlas einen Brief des Wiener Kardinals
Christoph Schönborn, der Sturm für die "gute Zeit der Gemeinsamkeit"
dankte. Sturm sei es gelungen, die Wahrnehmung seiner Kirche im In-
und Ausland "eindrucksvoll zu vergrößern", meinte Krätzl weiter.
Beispiel dafür sei nicht zuletzt der neue Wiener Sitz der
Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa. Der Weihbischof
würdigte Sturms "unermüdlichen Einsatz für die Ökumene", durch ihn
sei eine "Ökumene des Vertrauens gewachsen". Sturm sei immer für eine
"umfassende Ökumene" eingetreten. Im Verhältnis zur
Römisch-katholischen Kirche habe Sturm "das Trennende nie
verschwiegen, aber das Gemeinsame deutlich hervorgehoben". Am meisten
nahe gegangen sei ihm die "schmerzliche Trennung der Kirchen beim
Abendmahl".
Krömer: Geistliche Persönlichkeit
"Ein Bischof kann die Kirche mit anderen nur dann gemeinsam leiten,
wenn er eine geistliche Persönlichkeit ist. Du, lieber Herwig, bist
eine solche Persönlichkeit", sagte der Präsident der Generalsynode
und Synode A.B., Peter Krömer in seiner Laudatio. Der
Synodenpräsident dankte dem scheidenden Bischof, dass er vor 12
Jahren das schwierige Amt übernommen habe. Gleichzeitig verwies
Krömer auf Martin Luther, der gesagt habe: "Nur der Herr allein ist
Bischof" und betonte: "Nur der Herr allein kann die Kirche leiten."
Als wichtigste Ereignisse in der Evangelischen Kirche A.B. während
der Amtszeit Sturms nannte Krömer unter anderem die Einbeziehung der
geistlichen AmtsträgerInnen in das ASVG, die Umstrukturierung der
Kirchenleitung, die Einleitung des Organisationsentwicklungsprogramms
"Offen Evangelisch" sowie die Einführung des kinderoffenen
Abendmahls. Zum Zeichen des Dankes überreichte Krömer dem Bischof ein
Keramikkreuz eines St. Pöltener Künstlers.
Von einem "diakonischen Profil" Herwig Sturms sprach der Präsident
der Diakonie Österreich, Roland Siegrist, der die Grüße der Werke der
Kirche überbrachte. Siegrist erinnerte an das Sozialwort der Kirchen
in Österreich, das Sturm stark gefördert habe. Ebenso habe Sturm die
Zusammenarbeit der lutherischen, der reformierten und der
evangelisch-methodistischen Kirchen ermöglicht. Der
Diakoniepräsident, selbst Mitglied der Evangelisch-methodistischen
Kirche, hob hervor, Sturm sei sich darüber im Klaren gewesen, dass
eine Kirche, die um ihre Identität weiß, auch leichter im Dialog mit
ihren Schwesterkirchen stehe. Siegrist dankte auch Bischof Sturms
Ehefrau Gertrude, dass sie das diakonische Engagement ihres Gatten
mitgetragen habe. Insbesondere sei sie selbst am Aufbau des
Laura-Gatner-Flüchtlingshauses in Hirtenberg maßgeblich beteiligt
gewesen.
Protestantismus und Literatur
Gezeigt wurde bei dem Empfang auch eine Powerpoint-Präsentation, die
auf Sturms Amtszeit zurückblickte und ihn als Vertreter der Kirche
nach innen und außen, aber auch als Seelsorger und "Mann der Ökumene"
zeigte. Dem scheidenden Bischof ist auch das Buch "Protestantismus &
Literatur" gewidmet, das die Herausgeber - Oberkirchenrat Michael
Bünker und Ministerialrat Karl Schwarz - der Öffentlichkeit
präsentierten. 34 Autorinnen und Autoren untersuchen darin auf 750
Seiten den österreichischen Protestantismus im Kontext der Literatur.
Erschienen ist das Buch im Evangelischen Presseverband. Die
Superintendentin und die Superintendenten dankten dem Bischof, der,
so Superintendentin Luise Müller, mit seiner "starken natürlichen
Autorität" auch in schwierigen Situationen ausgleichend gewirkt habe.
Im Namen seiner Amtskollegin und seiner Amtskollegen überreichte
Manfred Sauer dem Bischof ein Bild des Kärntner Künstlers Valentin
Oman.
Sturm rief in seinen Dankesworten dazu auf, die "geschichtsträchtige
Stunde eines wachsenden und zusammenwachsenden Europas" wahrzunehmen.
Dass es kein Abschied von der Person Herwig Sturm ist - so wurde
Sturm etwa im November für weitere zwei Jahre als Vorsitzender des
Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich bestätigt -, betonte
Landeskurator Horst Lattinger, der gemeinsam mit seiner
Stellvertreterin Gerhild Herrgesell durch das Programm führte. Den
musikalischen Rahmen gestalteten der Chor des Club Carinthia und die
"Vienna Police Brass". Die Bläser, so Lattinger, bringen zum Klingen,
dass Herwig Sturm in seiner Amtszeit die Sonderseelsorge, wie etwa
auch die Polizeiseelsorge, besonders entwickelt habe.
(Honorarfreies Bild Sturm/Krätzl auf Anfrage erhältlich.)
Rückfragehinweis:
epdÖ
Tel.: (01) 712 54 61 DW 12
Dr. Thomas Dasek
mailto:[email protected]
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