Rasinger zu Gewalt gegen Kinder: Hinschauen statt wegschauen

ÖVP-Gesundheitssprecher: Jugendarbeit erfordert Herz und Zeit, jedem Fall wirklich nachzugehen

Wien (ÖVP-PK) - Der Wert des Kindes muss sich im Strafrecht wiederfinden. Es muss auch eine Strafe gegen Missbrauch von Kindern geben, aber Strafe allein ist zu wenig. Wir müssen uns mit dem gesellschaftlichen Phänomen auseinandersetzen: hinschauen statt wegschauen. Das stellte heute, Donnerstag, ÖVP-Gesundheitssprecher Abg. Dr. Erwin Rasinger bei der Debatte zur Dringlichen Anfrage des BZÖ zum Thema "Gewalt gegen Kinder" fest. ****

Der Fall Luca sollte zur Selbstkritik herausfordern. "Aber gerade dieser Fall ist nicht der optimale Fall, um auf fehlende Gesetzesmaterien hinzuweisen, denn hier waren die Karten klar am Tisch", erinnerte Rasinger daran, dass das Krankenhaus Mödling das Ausfolgeverbot angeregt hatte. Vielmehr sei die Vernetzung der Behörden untereinander falsch gewesen. "Hauptforderung muss es daher sein, die Kommunikation der Jugendwohlfahrtsbehörde mit den Kinderschutzgruppen verpflichtend auf neue Beine zu stellen", so der Abgeordnete.

"Wenn ich höre, dass die Magistratsabteilung 11 - Amt für Jugend in Familie - in Wien die Zusammenarbeit mit den Kinderschutzgruppen untersagt hat, so kann dies ja nur zu einer Verhinderung des Informationsflusses führen", klagt Rasinger.

"Wir brauchen mehr Prävention; wir haben oft überforderte Helfer und Familien", sagte der Gesundheitssprecher und verwies auf die ORF-Diskussion "Runder Tisch" zum Fall des 17 Monate alten Luca im November. Dort forderte beispielsweise Kinderpsychiater Ernst Berger wieder mehr Sozialarbeiter in Spitälern. Deren Präsenz in den Krankenhäusern sei auf Grund knapper Ressourcen nach und nach zurückgegangen. "Niemand hat die Gemeinde Wien gezwungen, die Sozialarbeiter zu kürzen. Wenn man nun aus vorgeblichen Organisationsschwächen oder Personalmangel glaubt, diese nicht mehr in die Spitäler schicken zu müssen, wundert es mich nicht, dass im einen oder anderen Fall etwas schief geht", so Rasinger. Zugleich wurde festgestellt, dass sich die Zahl der Meldungen an die Jugendwohlfahrt in den letzten fünf Jahren verdoppelt habe. Bei gleichbleibendem Personal werde der Eindruck vermittelt, dass zwar Akte angelegt würden, aber den Fällen zu wenig nachgegangen werde bzw. könne. "Jugendarbeit erfordert Herz und Zeit, jedem Fall wirklich nachzugehen", so der Mediziner weiter.

Rasinger erinnerte an die Aussage im Jahr 2001 von Michael Höllwarth, Vorstand der Kinder- und Jugendchirurgie Graz und Präsident des Vereins "Große schützen Kleine", keine generelle Anzeigenpflicht einzuführen. Gerade in den Gesundheitsberufen gebe es kein "Nullrisiko". Wenn man dieses fordere, so führe das unweigerlich zu noch mehr Akten und Anzeigen - "per se bewegt sich aber gar nichts." Kinderschutzgruppen würden sogar davon ausgehen, dass bei einer Anzeigenpflicht viele Kinder von den Eltern gar nicht mehr in die Gruppe geschickt würden.

In vielen Fällen sei man auf die Kooperation der Eltern angewiesen, verwies Rasinger auf das Beispiel, dass ein Kind, das Verbrennungen aufweise, sich natürlich auch selbst mit einer heißen Suppe angeschüttet haben könne. "Anzeigen alleine nützen uns nicht - wir müssen schauen, dass das auch konsequenzhältig ist. Wir brauchen ein ‚Hinschauen statt Wegschauen’ als Gesellschaftseinstellung", schloss Rasinger.
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