Frauenberger: Startschuss "Kompetenzzentrum für NeuzuwanderInnen"

Beratung und Begleitung bei Ausbildungsanerkennung

Wien (OTS) - Eine der Grundvoraussetzung für NeuzuwanderInnen, um einen bestmöglichen Einstieg in den österreichischen Arbeitsmarkt zu schaffen und damit von Beginn an sozial abgesichert zu sein, ist die Anerkennung von mitgebrachten Qualifikationen. Gerade bei der Anerkennung von Bildungsabschlüssen, fehlen MigrantInnen aber oftmals die Kenntnisse über das Österreichische Bildungssystem. Um NeuzuwanderInnen bei der Anerkennung ihrer im Ausland erworbenen Ausbildung zu unterstützen und ihnen einen optimalen Jobeinstieg zu ermöglich, startet jetzt ein neues von der Stadt Wien finanziertes Projekt. Durchgeführt wird es vom Beratungszentrum für MigrantInnen. Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger hat am Donnerstag gemeinsam mit Norbert Bichl vom Beratungszentrum für MigratInnen das "Kompetenzzentrum für NeuzuwanderInnen" vorgestellt.

Frauenberger: "NeuzuwanderInnen brauchen von Beginn an Unterstützung, um den Teufelskreis Dequalifikation zu entgehen"

Dazu Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger: "Eines der wesentlichen integrationspolitischen Ziele ist die Verbesserung der Arbeitsmarkchancen von ZuwanderInnen, denn das ist die Basis auch für die Verbesserung des sozialen Status. Hierfür liegt bereits ein umfassendes Programm vor, das zu großen Teilen auch schon umgesetzt ist, z.B. mit der Arbeitsmarkterstinformation für ZuwanderInnen oder mit der Förderung der Lehrausbildung in ZuwanderInnen - Unternehmen. Verbesserung der Arbeitsmarktchancen heißt aber auch Anrechnung von Ausbildungen und Qualifikationen bis hin zur Vermittlung in den Arbeitsmarkt. Um überhaupt einen Job zu bekommen, ein Einkommen zu haben, nehmen aber viele ZuwanderInnen Dequalifikation in Kauf. Ein Teufelskreis, der dann nur schwer zu durchbrechen ist. Mit dem Kompetenzzentrum für NeuzuwanderInnen, für das wir heute den offiziellen Startschuss geben, können wir hier gezielt unterstützen, die Menschen bei der Anerkennung ihrer Ausbildungen so beraten, bzw. begleiten, dass ein rascher und bestmöglicher Einstieg ins Berufsleben gewährleistet ist. Das neue Kompetenzzentrum bietet aber auch Beratung für punktgenaue, bedarfsorientierte Aus- und Weiterbildung."

Kompetenzzentrum: Bereits 90 Personen in Beratung - Einzelfallhilfe steht im Vordergrund; mehrsprachige Beratungsangebote

Das Kompetenzzentrum für NeuzuwanderInnen wird von der Stadt Wien (Magistratsabteilung 17 - Integrations- und Diversitätsangelegenheiten) finanziert.

Mit dem Kompetenzzentrum wird berufliche Weiterbildungs-, Anerkennungs- und Nostrifikationsberatung für NeuzuwanderInnen, die eine Ausbildung, Qualifikationen und Berufserfahrung aus ihrem Heimatland nach Österreich mitnehmen, angeboten.

Die größte Zielgruppe dabei sind jene NeuzuwanderInnen, die im Rahmen der Familienzusammenführung nach Österreich kommen. Nach dem neuen Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetz haben Familienangehörige von ÖsterreicherInnen sofortigen Zugang zum Arbeitsmarkt, Familienangehörige von Drittstaatsangehörigen nach einem Jahr. Aber auch neuen EU-BürgerInnen - die berufliche Anerkennung ist durch die EU-Anerkennungsrichtlinie begünstigt - steht die neue Anerkennungs-und Weiterbildungsberatungsstelle zur Verfügung. Dieser Trend wird sich insbesondere dann verstärken, wenn sich der österreichische Arbeitsmarkt weiter für diese öffnet.

Konkret bietet das Kompetenzzentrum nun folgende Unterstützungsleistungen an:

o Grundinformationen zum österreichischen Arbeitsmarkt, Arbeits- und Berufseinstiegsfachberatung o Information über die zuständigen Stellen/Behörden, die in Österreich für Anerkennung, Gleichhaltung und Nostrifizierung zuständig sind o Information über und Zusammenarbeit mit bestehenden Institutionen in diesem Bereich o Begleitung und Unterstützung bei den Anerkennungsverfahren o Begleitung und Unterstützung bei Weiterbildungsfragen o Information und Unterstützung bei finanziellen Förderungsmöglichkeiten für berufliche Weiterbildung o Information über Angebote, Maßnahmen und Förderungen des Arbeitsmarktservice (AMS) Wien

Die Beratung wird in Form von Einzelfallhilfe, teilweise mutter-/mehrsprachig durchgeführt. Der Schwerpunkt liegt in der individuellen Beratung, Information und Unterstützung. Hilfe zur Selbsthilfe steht im Vordergrund.

Weiterbildungsberatung wird in Deutsch, Englisch, Bosnisch/Kroatisch/Serbisch, Polnisch, Französisch, Russisch, Spanisch, Portugiesisch, Chinesisch angeboten.

Im September 2007 wurde mit den ersten Beratungen begonnen. Bis Mitte November haben inzwischen 90 Personen das Angebot in Anspruch genommen. 48 % hatten einen Universitätsabschluss, 49 % hatten zumindest eine Matura.

Das berufliche Potential in Österreich besser nutzen - Zahlen, Daten, Fakten zur Bildungssituation von MigrantInnen

Diese Qualifikationsniveaus spiegeln sich auch in den aktuellen Statistiken wider. Die Bildungsstruktur der zugewanderten Bevölkerung hat sich in den letzten Jahren in Österreich stark verändert, im Gegensatz zu den 60er und 70er Jahren gibt es keinen Mangel an gebildeten Arbeitskräften unter den ZuwanderInnen. Das berufliche Potential von MigrantInnen bleibt in Österreich aber weitgehend ungenutzt, sozialer Aufstieg der ZuwanderInnen kann kaum stattfinden. Auch eine höhere Bildung stellt keinen Schutz vor Arbeitslosigkeit dar.

Andererseits ist der Anteil an HochschulabsolventInnen bei im Ausland geborenen AusländerInnen ein fast gleich hoher (Fachhochschule, Akademien, Universitätsabschluss) wie bei ÖsterreicherInnen, die auch in Österreich geboren sind, nämlich 17,6 % im Vergleich zu 18,2 %. Vor allem im letzten Jahrzehnt kam es zu einer Zuwanderung von Personen mit einer tendenziell höheren Bildung.

Die Beschäftigung ausländischer Arbeitskräfte erfolgt vor allem in Bereichen, die saisonalen Schwankungen unterworfen sind - z.B. Fremdenverkehr, Landwirtschaft und Baubereich - und in Branchen, die eher gering entlohnt sind und wo erschwerende Arbeitsbedingungen vorliegen (z.B. Reinigung, Sachgütererzeugung, Handel, Gesundheits-und Pflegebereich). AusländerInnen sind in Österreich meist in Klein-und Mittelbetrieben beschäftigt.

Die mitgebrachten Ausbildungen werden aber nur zum Teil anerkannt und entsprechend genützt. So besagt auch eine OECD-Studie, dass in Österreich 21,1 % der im Ausland geborenen Menschen für ihren Beruf überqualifiziert sind, bei InländerInnen beträgt dieser Anteil nur 10,3 %. Laut einer Studie von August Gächter zur Auswertung der Volkszählungsdaten 2001 beträgt der Dequalifizierungsanteil bei beschäftigten MigrantInnen, die im Ausland geboren sind, 44,1 %.

Kompetenzzentrum könnte best practice für Österreich werden

Frauenberger abschließend: "Nicht zuletzt diese Datenlage zeigt, das hier dringender Handlungsbedarf gegeben ist. Reagieren wir hier nicht, geht letztendlich dem Wirtschaftsstandort ein großes Potential verloren. Wir in Wien haben das rechtzeitig erkannt und das neue Kompetenzzentrum ist einerseits ein Beitrag, dieses Potential zu nutzen. Gleichzeitig trägt es ganz wesentlich dazu bei, die soziale Mobilität von ZuwanderInnen insgesamt zu erhöhen. Ich bin davon überzeugt, dass das Kompetenzzentrum sich zu einem Österreich weiten best practice Projekt entwickeln wird.

o Nähere Infos: Kompetenzzentrum - Anerkennungs- und Weiterbildungsberatungsstelle für NeuzuwanderInnen Grüngasse 9/16, 1050 Wien Tel.: 01/58 58 019 (Montag bis Mittwoch, 9.00 bis 12.00 Uhr, Donnerstag 14.00 bis 16.00 Uhr) E-mail: kompetenzzentrum@migrant.at

(schluss) gph

Rückfragen & Kontakt:

Norbert Bichl, Beratungszentrum für Migranten und Migrantinnen
Tel.: 58 58 019-11
Mobil: 0699/12783816
E-Mail: n.bichl@migrant.at

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