- 06.12.2007, 14:04:03
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Leitl sieht "Sonne mit durchziehenden Wolken" am Konjunkturhimmel
WKÖ-Wirtschaftsbarometer prognostiziert 2,8 % BIP-Wachstum für 2008 - Energie- und Rohstoffpreise, fallender Dollar und Auswirkungen der US-Finanzkrise als Risko-Faktoren
Wien (PWK969) - "Während Europa beim Wirtschaftswachstum für 2008
um den 2er vor dem Komma kämpft, bemüht sich Österreich um den 3er."
So skizziert WKÖ-Präsident Leitl die aktuelle Konjunkturlage der
heimischen Wirtschaft aufgrund des WKÖ-Wirtschaftsbarometers (WBA),
dem die Meinung von rund 13.000 Unternehmen in Österreich als
Datenbasis zugrunde liegt. "Die Wirtschaft ist zwar nicht mehr ganz
so optimistisch wie im Vorjahr, aber dennoch guter Stimmung, sodass
wir von einem Wirtschaftswachstum von 2,8 Prozent für 2008 ausgehen",
zeigte sich Leitl heute, Donnerstag, bei der WBA-Präsentation
überzeugt. Mit gemeinsamen Anstrengungen und wenn alle Faktoren
stimmen, könnte mit ein wenig Rückenwind sogar der 3er vor dem Komma
erreicht werden, was dreimal hintereinander eine wahre Erfolgsstory
für Österreich darstellen würde. Auch voriges Jahr zeigte die WKÖ
Optimismus aber auch Treffsicherheit bei Ihrer Wachstumsprognose:
Während die Wirtschaftsforscher damals 2,5 Prozent prognostizierten,
lag das WBA mit 3 Prozent deutlich darüber. "Tatsache ist, das wir
heuer mindestens 3,3 Prozent erreichen werden", freute sich Leitl
über das gute Ergebnis.
Das Umfeld von Prognosen sei allerdings schwieriger geworden,
betonte Leitl und zeigte auch Risikofaktoren für 2008 auf, welche das
Wachstum noch beeinträchtigen könnten: "Eine weitere Zunahme der
Energie- und Rohstoffpreise, ein fallender Dollar oder ein
Wirtschaftseinbruch in den USA aufgrund der Finanz- und
Immobilienkrise sind internationale Unsicherheiten, die das kommende
Jahr entsprechend beeinflussen können." Auch höhere Lohnnebenkosten
und Löhne sowie eine Normalisierung der bislang sehr guten
Auftragslage würden die Gewinnsituation vermindern. Anders als heuer
sieht das WBA 2008 vor allem Klein- und Mittelbetriebe und
Dienstleistungen als die dynamischen Kräfte, während die Industrie
stabil bleibt und die Exportwirtschaft sich etwas weniger dynamisch
als im Vorjahr entwickeln werde.
Neben Risiken gibt es nächstes Jahr auch positive Faktoren für
Österreichs Wirtschaft: Die EURO 2008 werde unserem Land gut tun und
etwa im Tourismus nicht nur Einmaleffekte sondern auch nachhaltige
Belebung bringen, rechnet Leitl. "Wir freuen uns auch über
Schengen-Neu, wodurch ein großer Wirtschaftsraum einen freien
Verkehrsraum erhält, der die allgemeine Dynamik vor allem mit
Mittel-, Ost- und Südosteuropa weiter fördert." Die Wirtschaft hoffe,
dass die hohen Lohnsteigerungen in diesem Herbst 2008 auch der
Kaufkraft Impulse verleihen werden. Keinesfalls dürfe es zu einer
Situation "Strom und Progression frisst Lohn" kommen, dann wären die
KV-Abschlüsse gleich wieder verspielt, warnt der WKÖ-Präsident.
"Wie beim Fußballtraining darf man in erfolgreichen Zeiten auch in
der Wirtschaft und Politik nicht das Training einschränken", sprach
sich Leitl für ein konsequentes Arbeiten an der Qualität des
Wirtschaftsstandorts Österreich aus. Österreich führe zwar noch beim
DACH-Reformbarometer, wo Deutschland, Österreich und die Schweiz
verglichen werden, "aber wir befinden uns in ständigem Wettbewerb".
Positiv sei für den Standort die Abschaffung von Erbschafts- und
Schenkungssteuer sowie das In-Kraft-Treten der
Arbeitszeit-Flexibilisierung. Auch eine qualifizierte Zuwanderung
nach Kriterien des Arbeitsmarktes parallel zu massiven
Qualifikationsmaßnahmen für Inländer sei für Österreich lebenswichtig
und zukunftsentscheidend. "Der Wettkampf um die besten Köpfe hat
bereits begonnen", so Leitl und fordert daher rasches Handeln. Als
weiteren wichtigen Bereich nannte er die Reform des Bildungswesens,
wo Österreich insbesondere bei der beruflichen Aus- und Weiterbildung
noch deutlichen Handlungsbedarf habe, um an die notwendige Spitze zu
gelangen. In Anspielung an das PISA-Ergebnis sagte Leitl: "Österreich
darf nicht im Mittelfeld bleiben, sondern muss sich deutlich
verbessern." Und schließlich müssten im Zuge einer Verwaltungs- und
Gesundheitsreform, die diesen Namen auch verdiene,
Doppelgleisigkeiten beseitigt und schlanke, effiziente Systeme
erreicht werden.
"2009 wird über die nächste Steuerreform entschieden. Wir müssen
und werden 2008 - trotz nationaler und internationaler Risikofaktoren
- eine positive Ausgangsbasis dafür schaffen und unseren Weg in
Richtung mehr Wachstum und Beschäftigung weiter fortsetzen", schloss
Leitl seinen vorsichtig optimistischen Ausblick auf das neue
Wirtschaftsjahr. (Ne)
Rückfragehinweis:
Wirtschaftskammer Österreich Stabsabteilung Wirtschaftspolitik Mag. Harald Kaszanits Tel.: (++43) 0590 900-4499 Fax: (++43) 0590 900-258 mailto:wp@wko.at http://wko.at/wp
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