Cortolezis-Schlager: Ausbau der Schulautonomie und externe Kotrolle sind der Schlüssel für die individuelle Förderung der Kinder

ÖVP-Bildungsexpertin kritisiert verfehlte Wiener Bildungs- und Wohnpolitik – fordert Zahlen, Daten und Fakten

Wien, 06. Dezember 2007 (ÖVP-PD) „’Wien ist anders’ – dieser Slogan gilt leider auch für die Bildungspolitik“, so die ÖVP-Bildungsexpertin und Wiener Stadträtin Mag. Katharina Cortolezis-Schlager in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit ÖVP-Generalsekretär Hannes Missethon. „Bildung darf nicht nur zwischen zehn und 14 Jahren stattfinden“, betonte Cortolezis-Schlager. „Wir brauchen ein ganzheitlich konzipiertes Bildungssystem anstelle
einer Struktur- und Türschilddebatte.“ Aus ihrer Sicht zählen „die Taten – Ankündigungspolitik hilft uns nicht weiter“. Cortolezis-Schlager forderte anstelle eines „SPÖ-Maulkorb-Erlasses“ eine entsprechende Schulautonomie, denn „die Schulen wissen sehr viel besser was sie brauchen, um einen qualitativ hochwertigen Schulunterricht zu ermöglichen“. ****

Die in den letzten Tagen veröffentlichten Studien gehen aus der Sicht der Wiener Stadträtin „alle in dieselbe Richtung: Wir haben im österreichischen Schulsystem auf der einen Seite Stärken und auf der anderen Seite Handlungsbedarf.“ Sie plädierte dafür, die Stärken zu stärken und entsprechend dem Handlungsbedarf Maßnahmen zu setzen. Zu den Stärken zählt Cortolezis-Schlager die „weltweit beneidete gute Ausbildung vor dem Einstieg in das universitäre System und in die Berufswelt“. Österreich zählt in der EU zu jenen Ländern mit der geringsten Jugendarbeitslosigkeit. „Würde man Wien nicht dazu zählen, wären wir in der EU sogar Nummer Eins. Wien schafft es trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs nicht, die Jugendlichen für einen problemlosen Einstieg zu qualifizieren.“ Die Ursachen dafür sieht sie in der „verfehlten Wiener Bildungs- und Wohnpolitik“.

„Die PISA-Studie ist repräsentativ für Österreich“, so Cortolezis-Schlager weiter. „Allerdings lässt sie zu wenig Schlüsse für die Ballungszentren zu“, kritisierte sie und forderte daher konkretere Analysen, die Aufschluss geben auf regionale und urbane Regionen. Eine PISA-Wien-Auswertung für 2006 ist möglich, bestätigen führende Wissenschafter. „So könnte man konkreten Handlungsbedarf feststellen.“ Cortolezis-Schlager betonte auch, dass die Volksschule, die als Bestätigung für das Funktionieren der Gesamtschule herhalten musste, „die Kinder bis zum zehnten Lebensjahr in den Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen
nicht ausreichend qualifizieren kann. Sprachförderung muss also sehr viel früher beginnen.“ In Wien gebe es zwar „da und dort Sprachkurse, aber keine systematische Sprachförderung. Es muss uns gelingen, Kinder mit einem Förderbedarf ab dem vierten Lebensjahr in den Kindergarten zu bringen“, unterstrich Cortolezis-Schlager die Forderung nach einem Gratis-Kindergartenjahr für jene Kinder, die es brauchen. Diesbezüglich „ist ein weiteres Jahr verstrichen, ohne das etwas passiert ist“. Sie forderte weiters eine rechzeitige Schuleinschreibung sowie Elternberatung.

Cortolezis-Schlager schlug in der Pressekonferenz auch eine „Vorbereitungsklasse“ für Kinder mit Sprach-Förderbedarf vor. Denn es gebe bereits Ressourcen für Vorschulklassen. In diesen Vorschulklassen könne man Kinder mit Sprachdefiziten fördern. Sie verwies dazu auf das weltweite System der Auslandsschulen, in denen dies bereits passiert. „Wir müssen die Kinder entsprechend auf die Unterrichtssprache Deutsch vorbereiten.“ Die Volksschule muss aus ihrer Sicht auch „wieder verlässlich“ werden. In diesem Zusammenhang forderte sie eine Veröffentlichung der Lesescreening-Ergebnisse. „Wir brauchen Zahlen, Daten und Fakten. Warum werden internationale Tests – die viel schwieriger zu interpretieren sind - bis zum letzten Punkt jeden Tag aufs Neue erklärt und nationale Tests nicht veröffentlicht?“, fragte sich die Wiener Stadträtin.

Weiters will Cortolezis-Schlager, dass die „komplett fertigen Bildungsstandards“ für die vierte und achte Schulstufe herangezogen werden. „Der Pilotversuch ist abgeschlossen, sie sind reif für eine flächendeckende Einsetzung. PISA soll ab sofort durch diese Standards ergänzt werden, um jene Gebiete herauszufiltern, bei denen Handlungsbedarf besteht.“ Denn wirklich alarmierend sei der große Unterschied zwischen den Schulstandorten. „Da muss auch Stadtrat Schicker aufwachen“, verweist Cortolezis-Schlager auf Bezirke wie Ottakring mit hohem Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund. „Eine verfehlte Wohnungspolitik führt zu Klassen, in denen es kein einziges Kind mit Muttersprache Deutsch gibt.“ Cortolezis-Schlager forderte auch ein Controlling bei der Ressourcenaufteilung. „Bekommen die Schulen tatsächlich die Ressourcen, die der Bund und das Land für den hohen Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund zahlt?“, fragte sie. „Bildungsministerin Schmied muss die versprochene Sicherung der individuellen Förderung sofort umsetzen“, fordert Cortolezis-Schlager abschließend.

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