Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Tagebuch

Viele gute(?) Ideen

Wien (OTS) - Überraschung, Überraschung: Die Koalition hat in Sachen Asylgerichtshof gehalten. Die Reform, die zu einer Beschleunigung der Asylverfahren führen soll, ist wirklich realisiert. Der Verwaltungsgerichtshof ist zwar beleidigt, dass ihm jetzt ein neuer, fast gleichwertiger Gerichtshof an die Seite tritt; doch war er selbst ja hauptverantwortlich für die bisherige Überlänge der Asyl-Verfahren.

Allerdings muss man aufpassen, welche neuen Tricks jenen NGOs nun einfallen, die das Asylsystem insgeheim zu einem Zuwanderungskanal machen wollen. So lässt in letzter Zeit ein neuer Usus staunen: Ein und derselbe Interessent stellt Asylanträge in Serie. Und das scheint zu funktionieren - obwohl in unserem Rechtssystem doppelte Antragstellungen eigentlich unzulässig sind.

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Das war zu erwarten: Der Pisa-Test hat eine neue Lawine von schlecht durchdachten Vorschlägen für das Schulsystem ausgelöst. Die Unterrichtsministerin etwa will Tests für die Anstellung von AHS-Lehrern. Das klingt gut, auch wenn die Ministerin ignoriert, dass die Pisa-Probleme nicht in den AHS, sondern den (städtischen) Hauptschulen auftreten. Dennoch ist in der Tat die Lehrerauswahl auch für AHS stark verbesserbar. Nur: Tests sagen nicht viel darüber aus, wer später einem Haufen Jugendlicher gewachsen sein wird. Ähnlich wie bei den Richtertests klingt das Projekt eher nach Arbeitsbeschaffung für arbeitslose Psychologen.

Viel entscheidender für eine Lebensstellung als Lehrer sollte die Praxis sein: Eine Schule müsste Lehrer zumindest während der ersten Jahre rasch und ohne lange Prozedur verabschieden können. Und wenn das in zwei verschiedenen Schulen passiert, sollte die Schulkarriere der jungen Damen und Herren endgültig zu Ende sein.
Kurzsichtig ist der Vorschlag der ÖVP-Abgeordneten Brinek, aus Pisa überhaupt auszusteigen. Das hätte eine verheerende Optik. Statt dessen sollten es innerösterreichisch sogar mehr Tests geben: in allen Schulen und mehrmals im Verlauf einer Schülerkarriere. Vor allem müssten deren Ergebnisse unbedingt veröffentlicht werden. Das wäre eine Orientierung für die verunsicherten Eltern und würde rascher als alle anderen Ideen die Schulen zu leistungssteigerndem Wettbewerb anstacheln.

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