"Unterforderte Lenker ermüden leicht"

Bollmann: "Das ist wie der Beginn einer Hypnose" - Interdisziplinäre Tagung zum Thema Verkehrssicherheit

Wien (PWK965) - Früher war das Fahren mit Lkw körperlich anstrengend - beispielsweise ohne Servolenkung -, aber spannend. Der Fahrer hat etwas erlebt. Heute finden die "Kapitäne der Landstraße" eine völlig veränderte Situation vor

Die großen Fahrzeuge sind unvergleichlich leiser als früher, aber zusätzlich gibt es Lärmschutzwände. Statt einer abwechslungsreichen Landschaft ziehen graue Wände vorbei. Die starken Motoren erlauben es dem Fahrer, stets die zulässige Höchstgeschwindigkeit zu fahren, falls dies die Verkehrsdichte erlaubt. Um nicht zu rasch zu werden, wird der Tempomat eingeschaltet. "Jeder weiß, wie lähmend eine gleichmäßige Dauergeschwindigkeit auf das Gemüt drückt. Extrem belastend wird die Situation für geübte Berufsfahrer vor allem dann, wenn willkürliche Tempolimits die Fahrt zur `Langeweile` werden lassen", erklärte der Obmann der Bundessparte Transport und Verkehr in der WKÖ, Komm.Rat Harald Bollmann, zum Thema "Ermüdung und Unterforderung des Lenkers" im Rahmen der von der Abteilung für Verkehrs- und Infrastrukturpolitik der WKÖ und der ARGE Straßensicherheit veranstalteten Fachtagung über "Müdigkeit kontra Aufmerksamkeit - eine Herausforderung für die Verkehrssicherheit". (Siehe auch unser heutiger PWK 964 "Bewusstseinsbildung ist gefordert").

"Die Unterforderung eines dynamischen Fahrers ist gefährlich, da die Konzentration abnimmt und die Aufmerksamkeit nachzulassen beginnt. Man darf auch nicht vergessen, dass der Motor ein gleichmäßiges, monotones Geräusch von sich gibt, das ein sehr beruhigendes Gefühl vermittelt. Der Körpertonus sinkt ab. Erschwert wird die Situation durch kilometerlange Lkw-Überholverbote auf den Autobahnen", führte Bollmann weiter aus. Zur Nervenbelastung werde es dann, wenn ein Pkw einen großen Wohnwagen schleppt und der Pkw-Fahrer dahinschleicht. Bei einer langen Überholverbotsstrecke für Lkw zwinge ein solcher Fahrer eine Kolonne von Fern-Lkw, ungewöhnlich langsam zu fahren, was belastende Selbstbeherrschung verlange.

Diese Beispiele zeigten, so Bollmann, dass gerade die Unterforderung der Fernfahrer zur Ermüdung quasi durch Langeweile führt. .

Da die Autobahnen in absehbarer Zeit keine vierte Richtungsfahrspur bekommen, wird sich der Verkehr auf der vorgegebenen Fläche verdichten. "Wobei ich weniger annehme, dass der Güterverkehr zunimmt, sondern die Anzahl der Pkw, besonders in unseren östlichen Nachbarländern, die durch neue Autowerke vermehrt Fahrzeuge im Nahbereich absetzen. Damit wird die Pkw-Dichte in den neuen EU-Ländern unseren Standard erreichen", prognostizierte Bollmann. "Wer ein neues Fahrzeug kauft will auch fahren. So werden unsere Straßen zusätzlich belebt". Ende 2006 waren in Österreich mehr als 5,7 Millionen Kfz angemeldet, davon nur 56.126 für Führerschein C, also Werkverkehr und gewerblicher Verkehr.

In Europa dürfen Pkw auf den Autobahnen um 62 Prozent schneller fahren als der Lkw-Fernverkehr. In den USA gebe es diesen Unterschied nicht. "Die Verkehrsplaner sehen darin viele Vorteile für alle Verkehrsteilnehmer", so der Sprecher der Verkehrswirtschaft. Die Monotonie eines Autobahnstaus sei für den Lkw-Fahrer besonders belastend. Er könne kaum ausweichen, da die Route für sein Fahrzeug passen muss.

So spannend der Beruf des Fahrers bei der Zustellung der Ladung an einen neune Kunden im ganzen Straßennetz auch sein mag, hier entstehen enorme Herausforderungen. Lkw-Fahrer sind in der Regel dynamische Burschen, die etwas leisten und die verdienen wollen und die auch viele Entscheidungen selbst treffen wollen. Wie wirkt sich auf diese Personengruppe die "Monotonie der Asphaltbahn", also die Unterforderung, aus? Welchen Einfluss hat dieser Zustand aufs Gemüt? "Ist das nicht wie der Beginn einer Hypnose?" fragte Bollmann. (hp)

Nach den Einzelreferaten wurde die Veranstaltung am Nachmittag mit einer Podiumsdiskussion abgeschlossen. Unter Leitung von Gregor Bartl (Institut Gute Fahrt) diskutierten Thomas Gebell (vorsitzender der ARGE Straßensicherheit), Rudolf Bauer (Fachverband Güterbeförderung in der WKÖ), Norbert Hausherr (Obmann des Fachverbandes der Fahrschulen in der WKÖ), Walter Nissler (BAV) und Prof. Manfred Walzl (Landesnervenklinik Graz). (hp)

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