"KURIER"-Kommentar von Margaretha Kopeinig: "Warnschüsse"

Die Streiks in vielen Staaten der EU sind sozialpolitische Kraftproben.

Wien (OTS) - Europa erlebt in diesem Herbst die größte Streikwelle seit Jahren. Vielfach werden höhere Löhne, ein besserer Arbeitnehmerschutz und mehr Sicherheit verlangt. Den französischen Bahnbediensteten ging es aber auch um die

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Aufrechterhaltung bestehender Privilegien, um vorteilhafte Frühpensionen. Solidarisch ist das nicht. Gewerkschaften, die das unterstützen, sind unglaubwürdig. Auch wenn das Streikrecht von manchen missbraucht wird, muss es verteidigt werden, es gehört zum Wesen demokratischer Systeme.
Die Tarifkonflikte zeigen noch etwas anderes auf: Nach dem Mindestlohn rückt auch der Höchstlohn in den Blickpunkt. Der Unmut über astronomische Gehälter und Prämien für Manager nimmt zu. Wer denkt, die Forderung, Gagen für Vorstandsvorsitzende und andere Spitzenleute zu begrenzen, kommt von extremen Linken, der täuscht sich. Es sind Christdemokraten, Kirchenleute und seriöse Ökonomen, die fragen, wie moralisch Millionen-Abfindungen sind, welche ethische Begründung es dafür gibt und welche Vorbildfunktion Eliten haben.
Unternehmen, Politik und Interessensvertretungen sind gut beraten, diese Botschaft der Streikenden auch zu hören. Denn mangelnde Verantwortung, soziale Kälte, Gewinnsucht, fehlende Dialog- und Kompromissbereitschaft sowie wirtschaftliche Unzufriedenheit, die sich bis in die Mittelschichten hinein aufgestaut hat, kann allen teuer zu stehen kommen. Der Winter
wird noch sehr unangenehm werden.

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