AKNÖ-Staudinger warnt vor Rückfall von Dienstleistungs- zur Dienstbotengesellschaft

Tagung zur 24-Stunden-Betreuung in Laa: Heute Diskussion mit Bohuslav, Kadenbach und Schabl

Wien (AKNÖ) - Beim "Dialogforum Spezial", der Fachtagung von ÖGB und AKNÖ zur 24-Stunden-Betreuung, die heute in Laa/Thaya fortgesetzt wird, sprach sich der Präsident der Niederösterreichischen Arbeiterkammer, Josef Staudinger, "gegen den Rückfall in die Dienstbotengesellschaft des 19. Jahrhunderts aus". Kritisch meldete sich auch der steirische Landeshauptmann-Stellvertreter Kurt Flecker zu Wort: "Die jetzigen Lösungen werden nicht lange Bestand haben." Flecker sprach sich für eine Steuer- oder Versicherungsfinanzierung der Pflege und Betreuung aus. Das Geld dafür solle man auch dort holen, wo es zu finden ist, "bei der Vermögensbesteuerung". Bundesrat Alfred Schöls (VP) räumte ebenfalls ein, dass die Politik noch keine endgültige Lösung für das Problem der 24-Stunden-Betreuung gefunden habe. Aus seiner Sicht müsse jetzt noch mehr den Betroffenen geholfen werden, sich in der neuen Rechtslage zurechtzufinden.
Den Reigen der kritischen Stellungnahmen setzte Landesrat Emil Schabl bei der AKNÖ-ÖGB-Veranstaltung in der Grenzstadt Laa/Thaya gestern Abend fort: "Die Menschen dürfen am Ende des Lebens nicht der Sozialhilfe überantwortet werden." Das seit wenigen Monaten geltende Hausbetreuungsgesetz wird nach Schabls Ansicht nach spätestens einem Jahr überprüft werden müssen.
In berührenden Worten schilderte Veronika Bayer-Balint, als betroffene pflegende Angehörige, wie sich das Leben von einem Tag auf den anderen ändern kann: "Man hat keine Ahnung, was auf einen zukommt. Man lebt in zwei Welten gleichzeitig." Bayer-Balint, berufstätige Mutter eines Sohnes, pflegte 4 Jahre lang ihren Mann nach einer Gehirnblutung bis zu seinem Tode: "Es wird viel über Vereinbarkeit von Beruf und Familie gesprochen, worüber noch nicht gesprochen wird, ist die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Pflegebetreuung."
Ausländische Frauen arbeiten für einen Schlafplatz
Brigitte Adler, Vizepräsidentin der AKNÖ, stellte die Arbeitsbedingungen der ausländischen, weiblichen Betreuungskräfte in den Mittelpunkt: "Es geht nicht an, dass Leistung, die hier erbracht wird, mit ostslowakischen Löhnen abgegolten wird. Letztendlich arbeiten die Frauen für einen Schlafplatz, denn nach dem Hausbetreuungsgesetz haben sie eine Anwesenheitspflicht im Haushalt." Dass diese Missstände in frauendominierten Berufen lange Zeit stillschweigend hingenommen wurde, sei kein Zufall, so Brigitte Adler.
Dr. Bernhard Rupp MBA, Abteilungsleiter Gesundheitswesen der AKNÖ sieht in ganz Österreich rund "150.000 ungedeckte Betreuungsfälle". Aus dem grauen Arbeitsmarkt wurden rund 15- bis 20.000 Personen betreut. "Das war eher eine Lösung für einen besser gestellten Personenkreis", so Rupp, der eine Zusammenführung von Gesundheits-und Sozialpolitik für dringend notwendig hält.
Die Tagung "Auswirkung des Hausbetreuungsgesetztesw 2007" wird heute im Hotel Brüdertor in Laa/Thaya fortgesetzt. Um 15.30 Uhr beginnt eine große Podiumsdiskussion mit den Landesrätinnen Bohuslav, Kadenbach, LR Schabl sowie Vertretern der Sozialversicherung, der Senioren und der Vermittlungsagenturen.
Die Vertreter der Medien sind zu dieser Veranstaltung sehr herzlich eingeladen.

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