OECD-Studie bestätigt AK - Umdenken in österreichischer Familien-politik notwendig

Laut OECD ist Berufstätigkeit von Müttern niedriger als offiziell angegeben, AK fordert dringend Ausbau der Kinderbetreuungsplätze

Wien (OTS) - "Österreich setzt in der Familienpolitik viel zu
wenig auf Kinderbetreuung und Partnerschaftlichkeit", das zeigt für Ingrid Moritz, Leiterin der Abteilung Frauen und Familie der AK Wien, die neue OECD-Studie "Babies and Bosses". Trotz überdurchschnittlich hoher Ausgaben für Familien hat Österreich großen Nachholbedarf bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Die großen Herausforderungen in der Familienpolitik sind, die Nachteile von Müttern am Arbeitsmarkt zu beseitigen und die partnerschaftliche Teilung von Kinderbetreuung zu fördern. Die Studie legt außerdem offen: Viele Mütter, die in Österreich als erwerbstätig aufscheinen, sind eigentlich in Karenz. Die Statistik werde so "beschönt", sagt Moritz. Die AK fordert den raschen Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen und die Einführung eines Vä-termonats.

Die OECD-Studie zeigt, dass Mütter, die in Österreich als erwerbstätig aufscheinen, nicht immer arbeiten. Die Beschäftigungsrate von Müttern mit Kindern bis 3 Jahre beträgt in Österreich und Großbritannien lediglich etwas mehr als 30 Prozent, wenn die Karenz nicht dazugezählt wird. In Schweden, Dänemark oder Irland ist die Beschäftigung von Frauen mit kleinen Kindern deutlich höher. Auch die Teilzeitquote von Frauen ist in Österreich überdurchschnittlich hoch. Den Grund dafür sieht Moritz in den mangelnden Kinderbetreuungsplätzen: "Bei der Betreuung der Unter-3-Jährigen gehört Österreich mit 12 Prozent zu den Schlusslichtern der Industriestaaten." Dazu kommt: Die Öffnungszeiten vieler Kindergärten sind nicht an die Bedürfnisse berufstätiger Eltern angepasst. Auch bei der Väterbeteiligung gibt es dringenden Aufholbedarf: Nur 3,6 Prozent der Väter nehmen das Kindergeld in Anspruch, in den skandinavischen Ländern ist die Väterbeteiligung deutlich höher.

"Österreich sollte sich ein Beispiel an den Modellen von Dänemark, Island oder Schweden nehmen. Dort wird Eltern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gut ermöglicht. Gemeinsam ist den Vergleichssiegern, dass sie "smart spending" betreiben: der überwiegende Anteil der Ausgaben für Familien geht in die Kinderbetreuung. Ein Modell, dass sich für Eltern lohnt.

Die AK fordert daher mehr und bessere Kinderbetreuung, aber auch Maßnahmen für eine partnerschaftlichere Teilung der Familienarbeit. Dafür braucht es:
+ Einen raschen Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen. Die 8.000 zusätzlichen Plätze durch die Bundesmittel sind ein guter erster Schritt, werden aber mit Blick auf die neuen, kürzeren Bezugsmodelle im Kinderbetreuungsgeld nicht ausreichend sein.
+ Die Betreuungsplätze müssen auch dem Bedarf erwerbstätiger Eltern angepasst werden und qualitativ hochwertig sein. Nur so kann sichergestellt werden, dass vor allem Mütter nicht auf eine Teilzeitbeschäftigung beschränkt werden.
+ Für mehr Partnerschaftlichkeit braucht es eine aktive Beteiligung der Väter. Die Einführung eines Vaterschutzmonats und die Reform der Zuverdienstregelung zum Kinderbetreuungsgeld sind dabei unverzichtbar. Die Wahl zwischen einer Arbeitszeit- und einer Geldgrenze bis 24 Stunden wöchentlich würde vielen Vätern eine stärkere Beteiligung an der Kinderbetreuung ermöglichen.

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