Sozialdemokratischer Wirtschaftsverband Österreich (SWV): Österreich braucht eine Reform der Lehrlingsausbildung

Matznetter fordert die triale Lehrlingsausbildung, einen Lehrlingsfonds und ein zehntes Schuljahr

Wien (OTS) - 70.000 SchülerInnen haben in diesem Jahr mit der Pflichtschule begonnen und 80.000 haben sie beendet. "Die Lücke, die zwischen diesen Zahlen klafft, zeigt sehr deutlich, dass wir in 8-10 Jahren ein massives Lehrlings- und in Folge auch FacharbeiterInnenproblem haben werden", so Finanzstaatssekretär Dr. Christoph Matznetter, Präsident des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes, anlässlich der am Dienstag stattgefundenen Enquete "Perspektive Lehre" im Wiener Palais Epstein.

"Es muss uns gelingen, der Lehre ein neues Image zu geben, die Lehrausbildung für die UnternehmerInnen attraktiver und leichter finanzierbar zu machen und die Jugendlichen für die Lehre zu begeistern", betonte Matznetter.

SWV fordert die triale Lehrlingsausbildung

Der SWV setzte sich in der Diskussion für die Entwicklung des Modells einer trialen Ausbildung von Lehrlingen im Betrieb, Berufsschule und Bildungsinstitut ein. "Die duale Ausbildung um eine dritte Säule ergänzen ist unser Ziel, um mehr Lehrplätze zu schaffen und die Lehrlinge besser aufs Berufsleben vorzubereiten", erklärt Matznetter. Ein Bildungsinstitut soll als zusätzliche Ausbildungskomponente jene praxisorientierten Lehrinhalte vermitteln, die bisher nicht ausreichend abgedeckt wurden. Zusätzlich könnte dadurch auch lernschwache Jugendliche, die jedoch gute handwerkliche Fähigkeiten haben, der Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtert werden", erläuterte Matznetter.

SWV setzt sich für die Einführung eines Lehrlingsfonds ein

Die Hauptlast der Lehrlingsausbildung wird nach wie vor von den Klein- und Mittelbetrieben getragen. Sie bilden Lehrlinge aus, die dann von der Industrie abgeworben werden. "Es fehlt derzeit ein angemessener staatlicher Finanzierungsbeitrag zur Lehrlingsausbildung", so der SWV-Präsident.

Nach den Vorstellungen des SWV sollen alle Betriebe einer Branche, für deren Berufsausübung qualifizierte Fachkräfte notwendig sind, sowie die öffentliche Hand in einen Lehrlingsfonds einzahlen. "Mit den dadurch aufgebrachten Mitteln könnten dann die lehrlingsspezifischen Kosten jener Betriebe, die tatsächlich Lehrlinge aufnehmen und ausbilden, weitgehend refundiert werden. Das wäre eine echte Unterstützung der ausbildenden Betriebe und ein Anreiz für jene Betriebe, die bisher noch nicht ausbilden, mit der Lehrlingsausbildung zu beginnen", betonte Matznetter.

Einführung eines 10. Schuljahres ("mittlere Reife")

Die schulische Vorbildung der Jugendlichen muss nach Ansicht des SWV verbessert werden. "In meinen Gesprächen mit Selbstständigen, die Lehrlinge ausbilden, höre ich immer wieder die Klage über deren mangelnde schulische Grundkenntnisse. Und viele Jugendliche haben einen so schlechten Schulabschluss bzw. mangelnde Voraussetzungen, dass sie erst gar keine Lehrstelle finden", bedauerte Matznetter. Die SchülerInnen sollen nicht nur ein weiteres Schuljahr "absolvieren", sondern Voraussetzungen für die Lehre erwerben. "Ich kann mir vorstellen, dass die Pflichtschule (Hauptschule, neue Mittelschule, AHS-Unterstufe) um ein Jahr verlängert wird und das Polytechnikum als 'echte' Vorbereitung für das Absolvieren einer Lehrausbildung daran anschließt. Der positive Abschluss des 10. Schuljahres könnte - analog zu Deutschland - die "mittlere Reife" darstellen und dann gemeinsam mit dem positiven Abschluss der Lehre der Start für eine (Universitäts-)karriere sein", schloss Matznetter.

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