"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Jausenausflug ist das keiner" (Von Carmen Baumgartner)

Ausgabe vom 28. November 2007

Innsbruck (OTS) - Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) hat dazugelernt. "Wenn wir nur dort hingehen, wo ein Risiko zu 100 Prozent auszuschließen ist, brauchen wir nirgendwo hinzugehen", sagte er gestern zu den Meldungen über neue Kämpfe im Tschad. Bravo! Vor ein paar Wochen, als er auf Erkundungsmission nach Afrika fuhr, hat er noch von einem reinen Trinkwassereinsatz geträumt. Ob im Tschad jetzt hunderte Rebellen getötet wurden oder nicht, die widersprüchlichen Meldungen haben einen positiven Nebeneffekt:
Endlich wird einmal klargestellt, dass die Mission eine militärische ist. Auch wenn die Bezeichnung "humanitär" ein bisschen kuschelig klingt und der Einsatz in der öffentlichen Wahrnehmung möglichst friedlich rüberkommen soll. Um die unbequeme Wahrheit einmal auszusprechen:
Ja, es kann im Tschad gefährlich werden. Möglicherweise müssen sich österreichische Soldaten mit der Waffe gegen (Kinder-)Soldaten verteidigen. Diejenigen, die sich für diesen Einsatz gemeldet haben, wissen das auch und sind darauf vorbereitet. Warum das von Politikern ungern gesagt wird, liegt auf der Hand: Es widerspricht dem Bild des Bundesheers, das in den österreichischen Köpfen gerne mit Sandsackschupfen und Skipistenfreischaufeln verbunden wird. Ach ja, und an die Patrouillen an den bald verschobenen Schengen-Grenzen hat man sich auch gewöhnt. Das allein wird es in Zukunft aber nicht mehr spielen. Österreich kann sich aus der EU-Verteidigungspolitik nicht ausklammern. Und die beinhaltet nun einmal auch heikle Missionen. Das hat sogar Norbert Darabos verstanden.

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